#61 DROGENINDUZIERTE PSYCHOSE Angehörigen-Talk

Shownotes

Moin aus der KJK!

In diesem Mikro-Talk spricht Leon mit der Regisseurin Jelena Ilić über ihren Dokumentarfilm "Eine Krankheit wie ein Gedicht". Darin porträtiert sie ihren Vater, der an einer drogeninduzierten schizoaffektiven Störung leidet und fünf Jahre in der forensischen Psychiatrie verbrachte. Zugleich erzählt sie von ihrer eigenen, vielschichtigen Beziehung zu ihm.

Es geht um die Ambivalenz zwischen Verbundenheit und Angst, um Kunst als gemeinsame Sprache und um die Frage, wie man als Angehörige mit einem Menschen in Kontakt bleibt, dessen Krankheit das eigene Leben geprägt hat. Dabei gelingt Jelena Ilić ein ehrlicher, liebevoller und leichter Blick auf ein schweres Thema.

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00:00:08: Hallo an alle da draußen, das ist die Wahrheit irgendwo hier drinnen.

00:00:11: Euer Psychiatrie-Podcast aus dem hohen Norden vor den Toren Oldenburgs.

00:00:24: Heute ist Jelena Ilicic zu Gast bei uns.

00:00:28: Sie ist Regisseurin, Autorin und Fotografin kommt eigentlich aus Köln, lebt jetzt in Berlin Und in Kölner hat sie studiert einer Kunsthochschule für Medien und ihre Filme liefen bisher auch auf ganz schön vielen Festivals wurden mehrfach ausgezeichnet.

00:00:45: Generell kann man sagen, dass sie in ihrer Arbeit dokumentarisch und fiktionale Form mit persönlichen Erfahrungen und gesellschaftlichen Beobachtungen verwebt.

00:00:55: Und wir sitzen jetzt hier weil Jelena einen Dokumentarfilm gemacht hat über ihren Vater der an einer psychischen Erkrankung leitet genauer gesagt an einer drobeninduzierten schizoeffektiven Störung.

00:01:08: Der Film heißt eine Krankheit wie ein Gedicht und wurde mehrfach ausgezeichnet, hat drei Publikumspreise abgeräumt.

00:01:18: Einmal beim Max-Office-Preis, einmal beim Internationalen Frauenfilmfest Dortmund-Köln und bei der Filmkunstmesse Leipzig.

00:01:28: Jelena Elite setzt mir jetzt gegenüber und ich habe vier Fragen an sie.

00:01:33: aber zuerst sage ich ihr mal Hallo!

00:01:35: Hallo Jelina schön dass du hier bist

00:01:37: Hallo, danke dir die Einladen!

00:01:38: Ja das war eine lange Einleitung.

00:01:40: Ich hoffe ich habe alles so weit richtig recherchiert.

00:01:43: Auf jeden Fall ist alles top

00:01:46: Genau.

00:01:46: aber gleich zu Beginn möchte ich mich mal korrigieren weil ich hab gesagt es ist ein Film über dein Vater Aber ich finde es gar nicht so sehr ein Film Über deinen Vater Sondern vielmehr einen Film über die Beziehung zwischen dir und deinem Vater.

00:01:58: Und jetzt warst du mit diesem Film auch ein bisschen unterwegs?

00:02:01: Und ich kann mir vorstellen dass ganz viele Leute dir gesagt haben was sie über dein film denken.

00:02:06: Und jetzt würde mich aber interessieren, wie du dein Film eigentlich selbst ziehst und vielleicht auch im Rückblick von der ersten Idee bis hin zu dem Moment wo er jetzt einfach über die Leinwände dieses Landes läuft.

00:02:21: Also mir war von Anfang an klar dass dieser Film eine Herausforderung sein wird.

00:02:28: ich muss aber auch gleich dazu sagen das ich keine Ahnung hatte wie schwer es wird.

00:02:35: Es war einerseits total schön, meinen Vater nochmal neu zu begegnen mit diesem Film an unserer Seite.

00:02:42: Ich glaube der Film hat dazu beigetragen dass wir wieder an unsere künstlerischen Sprachen die anknüpfen können und uns tatsächlich wieder neu begegten können nachdem wir viele Jahre keinen Kontakt hatten.

00:02:55: Und gleichzeitig war das so eine intensive Zeit In der so unfassbar viel passiert ist, in dem mein Vater nicht nur mit seiner psychischen Erkrankung zu kämpfen hatte sondern dann auch noch eine Krebserkrankung dazu bekommen hat und das war eine enorme Herausforderung wenn die private Krise dann auch die berufliche Krise ist.

00:03:16: Also ich musste dann irgendwie damit klarkommen wie geht's meinem Vater mit seinen Erkranken?

00:03:22: Wie geht es weiter mit dem Projekt?

00:03:25: Wo fängt das Projekt an?

00:03:30: Wo vermischt sich das?

00:03:31: wie mit der Beziehung?

00:03:32: Wie viel Raum gebe ich diesen Film, wieviel darf er sich in diese Beziehungen mit einmischen.

00:03:37: Das sind alles Sachen die musste ich erst im Entstehungsprozess herausfinden.

00:03:41: Also zum Beispiel habe ich dann irgendwann gemerkt Ich ruf mein Vater nicht mehr an weil ich einfach jeden Tag um Schnitt saß und ihm die ganze Zeit gesehen hat und gefühlt hab ich mich extrem viel mit ihm auseinander gesetzt.

00:03:52: Und dann ist mir aber aufgefallen shit!

00:03:53: Ich habe ihn zwei Wochen gar nicht angerufen weil ich einfach so übersättigt war von meinem Vater und den Bildern und seiner Stimme.

00:04:00: Und gleiches kann ich sagen, am Anfang als ich den Film begonnen habe bzw.

00:04:05: als ich begonnen hab die Telefonate mit ihm aufzunehmen, habe ich gemerkt, wenn ich keinen Aufnahmegerät dabei habe, dann stelle ich einfach nicht mehr die Fragen, die mich eigentlich interessieren sondern... Rät so übers Wetter und soweit die ganze Zeit Angst habe, dass er was sagt.

00:04:19: Was ich verpasse, was ich gerne aufzeichnen würde?

00:04:22: Und dann hab' ich mich ab dem Zeitpunkt entschlossen einfach immer ein Aufnahmegerät dabei zu haben und einfach alles mit aufzuzeichnen.

00:04:30: Ja und das war denn tatsächlich eine Reise der ich herausfinden musste Wie viel Tochter kommt in den Filmen.

00:04:38: wie viele Regisseurin Kommt in den film?

00:04:40: Wie sieht das Ganze privaten aus?

00:04:42: es war gar nicht so einfach dieser Ebenen zu finden und die Gewichtung irgendwie auszupendeln.

00:04:48: Und wie lange hast du insgesamt an dem Film gearbeitet?

00:04:51: Zehn Jahre in etwa.

00:04:53: Drogeninnozierte, chronifizierte schizoeffektive Psychose des manischen Formenkreises Typ Polytox kein Moffintype Das ist die Diagnose deines Vaters.

00:05:04: Wir sind ja im Psychiatrie-Podcast das heißt wir können sie hier auch mal wirklich Ausbuch stabilieren.

00:05:09: Du hast jetzt den Inhalts schon so ein bisschen dargestellt.

00:05:12: Einerseits erfahren wir im Film dass dein Vater wegen schwerer Körperverletzung verurteilt wurde und viele Jahre in der forensischen Psychiatrie untergebracht war.

00:05:20: Du begleitest seine Entlassung, zeigst wie er danach sich in seiner betreuten Wohnung zurechtfinden muss.

00:05:28: Du beschreibst auch wir dich und deine Mutter während deiner Kindheit und Jugend immer mal wieder eine bedrohliche Situation gebracht hat wenn er die Lage sicherlich verkönnt hat.

00:05:37: Andererseits als Zuschauerin erleben wir deinen Vater aber vor allem als Friedfertigen Ziemlich liebevollen, witzigen Nachdenklichen und vor allem künstlerisch begabten Menschen.

00:05:49: Der gemeldet malt und mit dir ein Comicbuch gestaltet dessen Seiten ihr abwechselt mit Zeichnungen fühlt.

00:05:56: Wie geht man als Tochter mit diesen sich abwechselnden Seiten des eigenen Vaters um?

00:06:02: Unterschiedlich!

00:06:04: Es ist eine Frage die ich da nicht so einfach beantworten kann.

00:06:07: Ich glaube man muss mit dem arbeiten und mit dem leben was man hat.

00:06:12: also Ich glaube, ich musste relativ früh lernen, dass sich diese Idealvorstellung mich in meinem Kopf hatte von einem Vater oder was man irgendwie denkt wie ein Vater vermeintlich sein muss.

00:06:24: Dafür muss ich mich relativ schnell verabschieden habe aber dadurch auch irgendwie einen Traum dafür gewonnen mein Vater nochmal ganz anders kennenzulernen und ich glaube das mein Vater zum Beispiel mit mir als Tochter nicht allzu viel anfangen kann, weil er einfach mit dieser Verantwortung nicht viel anfahren kann.

00:06:40: Ich glaube aber dass er mich als Mensch total cool findet und das hat er mir von Anfang an gezeigt.

00:06:44: auch also ich ein Kind war hatte mich einfach ultra früh sehr ernst genommen, hat mich immer nach meinen Meinungen gefragt.

00:06:50: deshalb habe ich heute glaube ich auch so viele.

00:06:53: Er hat mich mal gefragt warum ich Dinge schön finde was sich daran schön finde ob ich das erklären kann und hat zu sehr früh mein Blick auf die Welt und auf die Dinge geprägt Und das rechne ich im Hoch an.

00:07:06: Natürlich waren da viele, viele Erlebnisse, die ganz schrecklich waren und mich enorm belastet haben.

00:07:12: Ich glaube, ich habe einfach mit der Zeit gelernt, die Gleichzeitigkeit der Dinge zu akzeptieren und mit ihnen zu leben.

00:07:21: Aber leicht ist es nicht.

00:07:22: Es ist immer ein Auf- und Ob.

00:07:25: Und das ist ja auch nur, weil ich jetzt ein Film darüber gemacht habe.

00:07:28: Heißt es nicht, dass die Krankheit vorbei ist oder das Thema vorbei ist und unsere Beziehung nicht nach wie vor ultra komplexes?

00:07:33: Aber ich finde, das Schöne am Film machen ist ... Wenn du kein Happy End hast, dann schreibst du dir einfach eins.

00:07:38: Dann machst du dir eins und danach geht das Leben einfach

00:07:40: weiter.".

00:07:42: Das heißt eigentlich genau diese Ambivalenz fängt der Film auch ein also die Gleichzeitigkeit von beiden Seiten oder noch mehr Seiten.

00:07:49: Und dann ist der Film irgendwann vorbei und man weiß gar nicht genau, wie's in deinem Leben weitergeht.

00:07:53: aber da ist erstmal Ein Zwischenpunkt gesetzt oder ein Happy End?

00:07:57: Total.

00:07:58: Und diese ist interessant, was ihr erzählt, da ist das im Grunde vielleicht gar nicht so sehr eine Vater-Tochterbeziehung ist sondern eher ein freundschaftliches Verhältnis.

00:08:06: Ich glaube es gibt das Wort dafür nicht.

00:08:08: ich glaube wir müssen aber diesen menschlichen bleiben.

00:08:10: Wir verstehen uns zwischenmenschlich einfach sehr gut.

00:08:14: Ja

00:08:15: Aber Freundin ist auch komisch weil ich mich um den verwandt Aber es ist trotzdem nicht die klassische Vatertochter.

00:08:22: eben Es war nie so dass mein Vater mir irgendwie groß was verboten hat oder gesagt hat von wegen so neuen Kind, das darfst du durch oder das macht man nicht.

00:08:31: Sondern er hat mich einfach immer machen lassen.

00:08:34: Ein Beispiel ist zum Beispiel in dem Wald um die Ecke der alten Wohnung von meinem Vater.

00:08:39: da gab es eine Seilbahn und viele Kinder sind damit Helm und Knie schoner und Ellenbogen schoner drauf gegangen.

00:08:44: Mein Vater hat das Seil festgehalten, ist neben mir hergerannt und hab mich am Ende noch mal so richtig doll zur Seite geschwungen.

00:08:51: Wenn ich mich nicht halt festgehalte, haben wir mir nie runtergeflogen!

00:08:54: Aber es war halt das Coolste für mich oder ... Ich durfte bei ihm in der Wohnung alles machen was ich wollte.

00:09:00: Er habe so Klopapier zusammen gepatscht und dann nass gemacht und an die Decke geworfen.

00:09:06: Und weil er so viel geraucht hat und die Tappeete voll an die Kutin waren, haben sich darüber rum so Umrisse gebildet vom Nikotin, was sich abgesetzt hat in der Wand.

00:09:15: Und das war einerseits total ekelhaft weil du da diese Klopapierflatschen hattest mit diesem Nikotinkranstrum rum und andererseits auf den ersten Blick sah es aus als wenn die Decke voller Blumen wäre.

00:09:26: Das ist ganz oft so bei den Geschichten von meinem Vater und mir dass sie irgendwie total tragisch und eklig sind und irgendwie aber auch voll schön.

00:09:33: gleichzeitig und das ist auch wieder diese Gleichzeitigkeit der Dinge Man hätte zum Beispiel auch die Dramaturgie ganz anders aufbauen können.

00:09:40: Man hätte ja so was machen können, wie schafft er es?

00:09:43: Kommt da raus!

00:09:44: Wie fühlt sich das an?

00:09:45: Werden Sie jemals wieder zueinander finden?

00:09:47: und ich wollte aber gerade diesen flapsigen Alltag den wir dann miteinander versuchen wiederherzustellen dieses Weihnachtenfeiern dieser verzweifelte Versuch eine Routine oder ein Miteinander zu finden.

00:10:00: Das fand ich an der Stelle irgendwie viel spannender als dieses reißerische Oh, junge Frau in der Forensik.

00:10:07: Gitterstäbe hinterm Fenster bla bla bla.

00:10:09: Es ist alles so eine Erzählweise oder so ein Narrativ.

00:10:11: das wollte ich einfach nicht bedienen.

00:10:13: Ich wollte wirklich ganz nah bei uns bleiben damit auch sich andere Menschen in unserer Beziehung wiederfinden können.

00:10:20: Das war lange lange ein Thema im Schnitt mit der Produktion und dem Sender.

00:10:27: wie viel Angst kommt in den Film?

00:10:28: Wieviel Gewalt lässt dieser Film zu?

00:10:31: Und die ganze Zeit habe ich dafür gekämpft dass die Angst, die ich empfunden habe nicht für das Publikum erfahrbar ist.

00:10:40: Weil ganz ehrlich gesprochen, ich möchte niemanden auf der Welt nur eine Minute dieser Angst aussetzen, die sich vor allem als Kind auch gespürt haben und ich hab da an der Stelle auf das Publiikum vertraut, dass das Publikum in der Lage ist zwischen den Zeilen zu lesen und dass das Publicum mit einem wohlwollenden Blick auf mich und meinen Vater blickt Und mit Empathie und dass man das nicht erfahrbar machen muss, um es erzählen zu können.

00:11:04: Ich glaube, dass auch den Film so verdaulich macht oder die Menschen, denen Filme daher so gut annehmen können weil er zwar davon erzählt aber ich habe irgendwie darauf verzichten wollen, das mit filmischen Mitteln auszuschmücken, dass Leute dann da wirklich sitzen und Angst haben.

00:11:21: Das wollte ich vehement vermeiden.

00:11:25: bei darum geht's nicht.

00:11:26: Es geht um die Wiederannäherung.

00:11:28: Und die ist nur möglich, wenn man einen Umgang mit dieser Angst findet.

00:11:34: Ja und es tut natürlich auch einiges für die Instigmatisierung.

00:11:37: Es wird ja sehr selektiv instigmatisiert.

00:11:39: also sagen wir mal irgendwas wie ADHS oder Depression ja aber schizoeffektive... Störungen, Psychosen und Forensik.

00:11:46: Das sind immer noch Bereiche, bei denen spricht man eigentlich nicht.

00:11:49: oder da gibt es viel Berührungsangst.

00:11:51: Und da dann wirklich einfach ganz direkt und ehrlich hinzugucken ohne da irgendwie viel Effekthascherei zu betreiben das war ja dann irgendwie so.

00:11:57: der Weg den du gewählt

00:11:58: hast.

00:11:58: Genau!

00:11:59: Und eine Sache wollte ich noch erwähnen oder nicht unerwähnt lassen ist dass ich lange Zeit auch begleitend zum Film in einem psychose Forum war und das als enorme Bereicherung empfunden habe weil es ein Trialog war zwischen Angehörigen, Betroffenen und Menschen aus dem helfenden System.

00:12:14: Und es war ein unfassbar heilsamer Ort für mich weil du sitzt dann da mit Menschen und eine Person erzählt und sagt so ja ich hatte Angst dass mein Familie Mitglied obdach los wird.

00:12:26: Und alle Menschen drum herum nicken und können diese Angst nachvollziehen.

00:12:30: das gibt einfach nicht oft Räume in denen du dich nicht so erklären musst indem du nicht bei null ansetzen musst und alles erzählen musst sondern sitze da einfach mit menschen im Raum Und die verstehen dich, ohne dass du ein Wort sagen musst.

00:12:43: Das fand ich total befreiend zu sehen.

00:12:48: Ich hab den Film schon gesehen und was mich da besonders interessiert hat oder die Frage, die mich die ganze Zeit begleitet hat ... Du hättest ja auch einfach sagen können, ich brech den Kontakt einfach ab!

00:12:58: Ich mach mein Ding, lebe meinen Leben.

00:13:00: Jetzt hast du den Kontakt aber auf künstlerische Weise sogar eigentlich noch mal vertieft und intensiviert und irgendwie deinem Vater einen Denkmal gesetzt.

00:13:08: Mir ist es ganz wichtig, an dieser Stelle zu sagen dass ich's zu hundert Prozent nachvollziehen kann wenn Leute den Kontakt abbrechen und das ich das ja auch gemacht habe.

00:13:16: Ich hab hier den Kontakt abgebrochen.

00:13:18: Ich hatte lange keinen Kontakt zu ihm weil es einfach nicht auszuhalten war.

00:13:21: Weil er... ...ich hab ihn nicht wiedererkannt!

00:13:25: Und ähm.. Ich glaube die Zeit im Maßregel Vollzug hat dafür gesorgt dass er diesen Drogenkreislauf durchbrochen hat Und ich dadurch, als er clean war, wieder den Vater entdecken konnte.

00:13:38: Den ich mal kannte.

00:13:40: Der hat über zehn Jahre im Vitamine genommen und du hast ihn da nicht wiedererkannt.

00:13:44: Er sah anders aus, hat ganz anders gesprochen, sich anders verhalten.

00:13:48: Hat einen anderen Wortschatz gehabt.

00:13:50: Da kam dann irgendwie mein alter Papa zum Vorschein.

00:13:54: Ich wollte dem einfach eine Chance geben ... Ich hab auch nicht allzu viele Familie hier, ein Großteil meiner verwandten Leben in Mazedonien.

00:14:02: Das heißt ich bin mit meiner Mutter aufgewachsen als Einzelkind.

00:14:06: Wenn du halt nur so zwei Menschen hast die da so nahe sind dann überlegst du dir halt zweimal wen du davon gehen lässt und wenn nicht?

00:14:12: Und ... ich habe auch irgendwie keine Lust nachtragender Mensch zu sein.

00:14:19: Ich merke das mich das nicht weiterbringt im Leben.

00:14:22: also entweder ich arbeite mit dem was ich jetzt hab und dann geht es weiter.

00:14:28: Und wenn es irgendwann wieder so sein sollte, dass mein Vater rückfällig wird was ich nicht hoffe Dann werde auch da einen Umgang finden und weitermachen.

00:14:37: aber ich habe gemerkt das Ich ihn irgendwie nicht aufgeben wollte.

00:14:42: Ja

00:14:43: irgendwie haben wir's bei deinem Film in der Art von doppelter Perspektive zu tun.

00:14:47: einerseits Sehen wir über die Kunstwerke deines Vaters ein bisschen seine Sichtweise auf die Welt auch und über deinen Film wiederum die Perspektive einer Angehörigen.

00:14:58: Und was ist jetzt deine ganz persönliche Erfahrung damit, warum es diese Perspektiven braucht?

00:15:03: Das einmal die der Angehörung und der Betroffenen selbst.

00:15:08: Also beim Thema psychischer Erkrankung.

00:15:10: Naja das ist ja so wie mit Licht und Schatten.

00:15:12: Das ist ja immer beides da egal ob du jetzt... Angehörig bist, weil du verwandt bist oder weil du Nachbar bist.

00:15:20: Oder weil du Freundin... Also psychisch krank haben hier ganz viele unterschiedliche Bezugssysteme und all diese Bezugsysteme müssen sich ja irgendwie verhalten dazu oder miteinander agieren.

00:15:31: Und ich finde Es gibt ja ganz selten Menschen die Ganz ganz einsam sind und niemanden haben.

00:15:38: Sondern da ist ja in der Regel sind da ja auch Menschen rum rum dass gerade die Perspektive der Angehörigen oft übersehen wird, weil ich glaube psychische Erkrankungen oft auch so laut sind.

00:15:53: Vielleicht nicht literarisch gesprochen sondern wirklich einfach zu viel Raum einnehmen und so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen das den Angehöhrigen daneben vielleicht einfach so ein bisschen verschwimmen oder in soviel Verantwortung und Arbeit einfach selbstverständlich irgendwie als selbstverständlich angesehen werden.

00:16:14: Ich weiß es nicht genau, aber ich finde die Perspektive, also die gehören irgendwie zusammen?

00:16:20: Ja absolut!

00:16:22: Also dieser Podcast ist ja explizit integrativ und das heißt wir versuchen das medizinische und verschiedene psychologische Schulen zusammenzubringen, aber vor allem auch die betroffenen Perspektiven zu stärken weil das eben andere Arten von Wissen sind, Verfahren zu wissen, d.h.

00:16:37: wir haben die Betroffene Perspektiv auf diese Phänomene, aber die angehörigen Perspektive ist auch etwas was das bei uns bisher noch zu kurz gekommen ist.

00:16:46: Deswegen sage ich danke, danke, Danke dass wir hier mit dir sprechen durften.

00:16:50: und für diejenigen die den Film noch nicht gesehen haben schaut ihnen euch unbedingt an.

00:16:56: es ist wirklich ein ganz ganz großartiges und zärtliches Zeugnis Komplexität und all diese Sachen, die da dranhängen zusammenbringt.

00:17:08: Ich hab nicht so viel Angst vor dem Thema, weil der Film ist wirklich viel lustiger als man meint!

00:17:14: Als ich jetzt hier rüberkomme...

00:17:17: Die Leute hören halt das Wort Krankheit im Titel und haben Angst in diesen Filmen zu gehen.

00:17:21: Der Film hat seine ernsthaftigkeit aber der Film versucht auch der Schwere des Themas mit Leichtigkeit zu trotzen würde ich sagen.

00:17:29: Kannst du mir sagen ob das gelungen ist oder nicht?

00:17:31: Aber ich habe schon das Gefühl dass die Leute mehr gelacht haben, als sie geweint

00:17:35: haben.

00:17:35: Das kann ich absolut unterschreiben und wenn man weint dann vielleicht mit einem Quinsen noch

00:17:41: danach immer abwechseln.

00:17:43: Also vielen Dank für deine Zeit und

00:17:46: sei sehr gerne.

00:17:48: Tschüss!

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