#54 KOLLEGIALE ERSTBETREUUNG – Experten-Talk
Shownotes
Moin aus der KJK!
Was passiert eigentlich nach einer belastenden Situation? In dieser Folge spricht Emma mit Max und Arndt über die Kollegiale Erstbetreuung (KEB). Die Arbeit in der Psychiatrie kann mitunter herausfordernd sein. Auch wenn Deeskalation in den allermeisten Fällen gelingt, gibt es Situationen, die für Mitarbeitende emotional oder körperlich belastend sein können. Umso wichtiger ist es, danach nicht allein zu bleiben.
Gemeinsam sprechen wir darüber, was Kollegiale Erstbetreuung bedeutet, warum sie ein wichtiger Bestandteil einer wertschätzenden Teamkultur ist und wie sie Mitarbeitende dabei unterstützt, belastende Erlebnisse einzuordnen und zu verarbeiten.
Max und Arndt geben Einblicke in ihre Arbeit, erzählen, wie KEB in der Praxis gelebt wird, und zeigen, warum gegenseitige Unterstützung ein wesentlicher Teil professioneller Gesundheitsversorgung ist.
Hört rein!
Transkript anzeigen
00:00:08: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge, die Wahrheit irgendwo hier drin.
00:00:12: Euer Psychiatrie-Podcast vor den Touren Oldenburgs aus der Kajas Westklinik.
00:00:25: Ich bin Emma und ich habe heute zwei ganz besondere Gäste bei mir mit denen ich über ein Thema sprechen möchte was einem vielleicht nicht direkt etwas sagt denn ich muss ehrlich sein als ich das erst mal KEB gehört habe dachte ich erst KIB und habe an etwas in Richtung Geheimdienst gedacht, aber wir werden heute noch lernen dass es tatsächlich nicht um den geheimen Dienst geht sondern um ein ganz ganz wichtiges Thema was hier in der KJK gelebt wird.
00:00:54: Und bevor wir damit starten möchte ich einmal sagen Hallo Arndt!
00:00:58: Hallo wo?
00:00:58: Und hallo Max!
00:00:59: Hallo!
00:01:00: Mögt euch einmal ganz kurz und knapp vorstellen
00:01:03: Ja, ich bin Arndt.
00:01:04: Ich bin seit ungefähr elf Jahren hier in der Gesundheits- und Krankenpflege tätig.
00:01:09: Im Jahr ist es um den KIB-Trainer im Haus fortzubilden lassen und gibt seither die Schulung für die Mitarbeiter.
00:01:17: Genau!
00:01:17: Und ich bin Max.
00:01:18: Ich habe seit dem Jahr zwölf in der Klinik, inklusive der Ausbildung, bin aktuell die Stationsleitung des Station GvIV auf dem Gelände und auch mit Arndts zusammen im Jahr zum Jahr zweitausendundzwanzig über die Probleme gemacht.
00:01:32: Multiplikator oder Trainer in der Klinik aktiv?
00:01:36: Ja, sehr schön.
00:01:37: Und um euch beide noch ein bisschen näher kennenzulernen haben wir ja unser Spiel indem ich falls ihr uns da draußen ein bisschen Näher verfolgt sehr schlecht bin.
00:01:46: aber vielleicht bin ich heute bei euch gar nicht mal so schlecht wie sonst immer.
00:01:50: Ihr dürft mir auch beider einmal zwei bzw drei Geschichten erzählen von denen zwar wahr sind und ich darf einmal raten welche denn davon geflogen hat.
00:01:58: ist an mich zu starten.
00:02:01: Ja, ich habe mir kurze Fakten einfach nur überlegt.
00:02:04: Mein Lieblingsessen ist der Eugenburger Grunkohl, mein Lieblingstier ist der Wolf und mein Lieblungsbuch ist die dreizehn-anhalb-Leben des Captain Blaubeer.
00:02:14: Ja, also ich glaube heute werde ich wieder mal ein Negatives, eine negative Erfahrung sammeln.
00:02:20: Aber darüber möchte ich kurz nachdenken und derzeit haben wir uns schon mal Max-Geschichten an und dann überlege ich mir...
00:02:26: Meine Geschichten sind tatsächlich etwas länger als die von Arndt.
00:02:29: Meine erste Geschichte wäre, dass ich im Zuge einer Studienfahrt in Rom mal bei einer Papst-Audienz dabei war – obwohl ich selbst Agnostiker bin!
00:02:41: Also nicht gerade der richtige Nicht gerade die richtige Boden für mich, sag ich mal so.
00:02:47: Die zweite Geschichte wäre, dass sich tatsächlich dabei war als A- und eingestellt wurde.
00:02:51: Ich hab A an praktisch gesehen mit eingestellt in der Kaliaspassklinik.
00:02:55: Und meine dritte Geschichte wäre das jetzt just Anfang Februar, die sehr grauen Gefilde des Oldenburger Landes verlassen habe um nach Santa Clara zu fliegen und den Super Bowl in Kalifornien zu sehen weil ich selber lange Jahre oder zwanzig Jahre schon der NFL treu bin.
00:03:14: Ich habe zwar versucht, Ahn zu beobachten während du die Geschichten erzählt hast.
00:03:18: Aber Ahn hatte auch ein ziemlich gutes Pokerface.
00:03:20: von daher bin ich daraus jetzt nicht schlau geworden wo du vielleicht geflunkert hast.
00:03:25: aber ich fange erst mal an bei Ahn.
00:03:26: Also Ahn, ich glaube das mit Captain Blaubehr stimmt weil ich weiß nicht wie man sonst darauf kommt und ich könnte mir vorstellen dass du vielleicht obwohl du Oldenburger bist den Grünen Kult doch nicht so gern hast wie du sagst.
00:03:41: Nein also Wer mich ein bisschen kennt, der weiß das auch.
00:03:44: Dass mein Lieblingstier definitiv nicht der Wolf ist.
00:03:47: Jedem sollte klar sein dass der Bär das beste Tier in der Welt ist.
00:03:50: Grüße gehen raus an Johann Helge!
00:03:55: Okay dann war ich also leider falsch.
00:03:57: Ich hätte es mir ja auch denken können mit dem Lieblungsbuch Captain Blauebär und dein Lieblingstier vielleicht ist der Bäher?
00:04:02: Ja da habe ich einfach nicht schnell genug geschaltet aber ich hab jetzt noch einen Versuch und zwar bei dir Max.
00:04:10: Also, ich glaube das mit dem NFL und deinem Flug stimmt.
00:04:16: Dann würde ich sagen... Was waren denn noch mal die anderen zwei Geschichten?
00:04:20: Papst
00:04:21: Audienz und Arndt eingestellt.
00:04:24: Ja als du von Arns Einstellung geredet hast habe ich rüber geguckt Und Arnd hat jetzt nicht irgendwie so komisch geguckt als wäre das gelogen.
00:04:31: dementsprechend Aber warum solltest du dir es mit dem Papst ausdenken?
00:04:36: Psychiatrische Pflegekräfte, die versuchen immer so umgekehrte Psychologie und dann scheitere ich daran.
00:04:41: Okay, dann glaube ich das mit dem Papst ist geflunkert?
00:04:43: Nein tatsächlich ist es mit dem Superbowl geflinkt.
00:04:46: Weil ein Team hat's leider mal wieder nicht in den Playoffs geschafft.
00:04:49: also ja... Ich bin zwar selber schon in Santa Clara gewesen um Fußball zu gucken aber nicht den Superbowls!
00:04:57: Jetzt bräuchten wir doch die Sounds, die wir vorhin hier ausprobiert haben.
00:05:00: Na ja ok dann vielleicht beim nächsten Mal.
00:05:02: euch beide haben wir aber auf jeden Fall ein bisschen besser kennenlernen dürfen durch diese Geschichten.
00:05:07: und Wir haben jetzt schon so viel von KEB gesprochen.
00:05:11: Was genau ist KEB bzw.
00:05:14: was steckt hinter dieser Abkürzung?
00:05:17: KEB ist die kollegiale Erstbetreuung Und das meint eigentlich genau dass es eine erst Betreuung für Kollegen nach belastenden und potentiell traumatischen Ereignissen.
00:05:29: Und in diesem Kontext vielleicht, was ist KIB nicht?
00:05:34: KIB ist keine tiefergehende psychologische Hilfe oder sowas in der Art.
00:05:38: Das ist wirklich eine erste Intervention.
00:05:41: Wir vergleichen uns immer gerne mit dem Brandschutzhelfern die jetzt kein Ausgebild in Feuerwehrleute sind aber in der Lage sind ein Feuerlöscher zu bedienen um schon mal den Anfang zu machen.
00:05:53: Diese Parallel finde ich ganz gut, weil ich glaube da hat wirklich jeder da draußen und jede ein Bild im Kopf.
00:05:58: Und weiß wie man sich das vielleicht ungefähr vorstellen kann?
00:06:01: Und KEB ist dann ja aber nicht der Ersthelfer oder die Erstehelferin bei einem Feuer sondern wann kommt KEB typischerweise zum Einsatz?
00:06:10: Du hast vorhin schon von potenziell traumatischen Ereignissen gesprochen
00:06:16: Theoretisch vielleicht auch nach einem Feuer nach dem was es mit den Betroffenen macht Dann aber in anderer Form.
00:06:23: Bei uns im Klinikalltag sind typische Ereignisse eben gewalttätige Übergriffe, die passieren können.
00:06:30: oder ganz allgemein formuliert das Erleben von funktioneller Hilflosigkeit für diejenigen aus dem medizinischen Bereich da draußen.
00:06:39: Ist die Situation einer Reanimation vielleicht ganz greifbar?
00:06:43: muss erstmal akut helfen.
00:06:45: Es steht ein Leben auf dem Spiel, wenn Fehler gemacht werden.
00:06:48: Man steht unter unglaublichen Druck und es kann eventuell vielleicht sogar dazu kommen dass man in dieser Situation erstarrt weil man sich der Situation überfordert fühlt oder selbst gerade gar nicht hilfreich ist und den Helfen hinzugucken muss.
00:07:00: und durch das Erleben dieser funktionellen Hilflosigkeit läuft man Gefahr eben ein späteres Trauma zu entwickeln.
00:07:07: Also quasi, nur damit ich das richtig verstehe ist Funktioneller Hilflosigkeit eben nicht.
00:07:12: Dass man direkt in die Situation vielleicht involviert ist als dass man jetzt proaktiv daran beteiligt ist sondern es ist auch eher teilweise so, dass man das vielleicht mitbekommt.
00:07:22: aber weil vielleicht schon viele Menschen dabei sind zu helfen man eher außen dran steht und wie fest gefroren ist quasi und sich denkt okay Es sind viele Leute da Ich möchte irgendwie gerne helfen Aber irgendwie kann man mich gerade nicht mehr gebrauchen Weil ich dann auch eine Person so viel will.
00:07:37: Dann wärst du in der direkten Zeugenschaft und erlebst dich selbst als unwirksam in dieser Situation.
00:07:42: Und bist du mit dem Gesamtgeschehen überfordert?
00:07:45: Das bietet dann eben das Potenzial, dass es mit dir was macht, mit dem es dir langfristig nicht gut geht.
00:07:50: und die kollegiale Erstbetreuung möchte dich an diesem Moment abholen und möchte dir erstmal eine Orientierung geben damit du verstehst, was da gerade passiert ist und deinen Hirn helfen, das besser zu verarbeiten,
00:08:06: Okay, sehr gut.
00:08:07: Und das heißt ja quasi dass man versucht einen größeren Schaden im Verlauf abzuwenden also dass man quasi präventiv versucht schon Dinge oder Gespräche anzubieten um dann halt Das große Feuer eigentlich zu vermeiden also gar nicht dass es schon da ist sondern zu vermeidern dass es halt eben größer wird.
00:08:25: genau
00:08:26: und wer darf oder wer sollte keb durchführen?
00:08:32: Wir schulen jeden Mitarbeiter, der hier im Haus anfängt.
00:08:34: Also wirklich von den Mitarbeitern in der Küche bis hin zur Pflegekraft ist jeder bei uns in der Schulung gewesen.
00:08:40: das heißt hier im haus kann dass jeder machen.
00:08:43: es gibt andere Konzepte.
00:08:44: da gibt es kollegiale Erstbetreuer als Team so wie Reanimationsteam oder etwas ähnliches.
00:08:49: die werden dann in Situation dazu gerufen.
00:08:51: Bei uns kann es jeder
00:08:52: machen.
00:08:54: Das heißt die KJK ist quasi voll mit kollegialen ErstbetreuernInnen.
00:08:59: Richtig
00:08:59: Sehr schön.
00:09:00: Ich durfte ja auch schon mal bei einer Schulung mitmachen, das hat echt viel Spaß gemacht.
00:09:04: Das war natürlich auch sehr ernst aber es war sehr interaktiv.
00:09:06: ich konnte viel daraus mitnehmen und dementsprechend war das auch eine kleine Fangenfrage wer das alles machen darf weil eigentlich darf ich es ja sogar auch.
00:09:17: Und wie unterscheidet sich die KIB denn von professioneller Psychotherapie oder Supervision?
00:09:23: Also du hast ja gerade schon gesagt Arndt, dass das eben genau das eigentlich nicht ist.
00:09:27: Es keine tiefergehende psychologische oder psychiatrische Betreuung sondern eben die kollegiale Erstbetreuung.
00:09:35: Wir gehen jetzt nicht in die Tiefe und gucken welche persönlichen Faktoren da jetzt mit rein spielen Sondern wir versuchen wirklich nur diese Situation besser verarbeitbar für den Betroffenen zu machen.
00:09:47: Wir versuchen, denjenigen schnell aus der Situation rauszuholen, ihm ein gutes Setting zu bieten indem er erst mal selber sich sortieren kann und begreifen kann was da gerade passiert ist ohne in irgendeinen anderen Druck zu kommen oder irgendwie von anderen aufgefordert zu werden das erlebt in einem anderen als sein eigenem Tempo verarbeiten zu müssen Und damit unterstützen wir das hier lang oder kurzfristig eben ... zu begreifen, was das war.
00:10:13: Und allein das Begreifen hilft schon enorm... ... um das Ganze besser hinter sich bringen zu
00:10:19: können.".
00:10:21: Wie macht ihr das?
00:10:21: Also wie gebt ihr diesen Raum?
00:10:23: Also Max ich habe jetzt irgendwie Beispielsituationen.
00:10:26: Es ist etwas passiert und eine Person, eine Pflegefachkraft beispielsweise könnte potenziell einen Schaden davon tragen weil es eine harte Situation war.
00:10:36: Was machst du
00:10:37: dann?".
00:10:38: Also erst mal ist die allerwichtigste Frage in der KIB bin ich überhaupt nur nötig, also ist es überhaupt so dass derjenige sagt von wegen ich möchte das.
00:10:46: Also es ist auch vollkommen in Ordnung wenn der Betroffene sagt Ich will das jetzt gerade gar nicht oder es ist jetzt für mich aktuell gerade kein Thema.
00:10:53: Auch da kann man ja einen späteren Verlauf nochmal versuchen irgendwie Hilfe dann wieder anzubieten.
00:10:58: Das erst mal geklärt Ja derjenigen möchte KIB oder ja derjeniger hat sich als potenziell hilflos empfunden.
00:11:07: Dann geht es erst mal darum sozusagen, was benötigt diese Person jetzt gerade?
00:11:11: In den allermeisten Situationen die wir jetzt so aus dem Alltag kennen ist das halt so frische Luft schnappen.
00:11:17: Mal etwas trinken gehen können eine Zigarette rauchen oder sowas.
00:11:20: Das sind ja so ganz basale Dinge wo's einfach wirklich von Kollege zu Kollege erstmal Moment gibt im Sinne von ich sehe deine Bedürfnisse jetzt und ich nehme das auch ernst Ich schaffe dir den Raum dafür Ich übernehme vielleicht auch mal für einen Moment deine Tätigkeiten hier auf Station, damit du dich mal irgendwie ja ein bisschen rausnehmen kannst und mal ein bisschen Zeit für dich nehmen kannst.
00:11:42: Und in den allermeisten Fällen also von den KIB die ich jetzt durchgeführt habe sind das bestimmt achtzig neunzig Prozent oder so ist es dann in dem Moment auch für denjenigen dann erst Mal wieder gut.
00:11:51: Also das geht halt wirklich nur darum so durchatmen zu können mal im Moment Abstand von der Situation zu gewinnen weil häufig sehen wir zwar als KIB nur diese Zuspitzung dieser Situation, aber häufig geht dem ja auch schon ein sehr stressiger Dienst voraus.
00:12:05: Die Situation hat sich schon über Stunden aufgebaut oder es ist sowieso eine belastende Situation auf der Station.
00:12:11: Alles ist sehr unübersichtlich und der Kollege hat irgendwie kaum Zeit wirklich mal irgendwie im Moment durchzuschnaufen so.
00:12:18: Und da ist das einfach super wichtig für uns einfach da zu sein und abzufragen in dem Sinne von was brauchst du jetzt?
00:12:27: Das dann möglich zu machen!
00:12:29: Es geht gar nicht so sehr darum, ich glaube viele Leute haben Angst was falsch zu machen.
00:12:34: Ich vergleiche das mal ganz gerne so auch ein bisschen wie mit erster Hilfe.
00:12:38: also ist ja besser irgendwas zu tun als nichts zu tun und überhaupt einfach da zu sein und zu signalisieren okay es ist jemand da der der auch momentenblick auf dich hat.
00:12:49: weil alle anderen sich um irgendetwas anderes kümmern kann halt extrem hilfreich sein für den Kollegen.
00:12:57: Abgrenzung zur professionellen Psychotherapie oder sowas.
00:13:00: Wenn man jetzt noch mal in den Ersthelfer denkt, bin ich derjenige, der die stabile Seitenlage macht und der Operateur ist derjenig, der dann später den chirurgischen Eingriff vornimmt.
00:13:08: das mache ich ja nicht als Ersthilfe so.
00:13:10: Und so sie in ich gewiss hat und weiß auch unsere Rolle als Kai Bieler in
00:13:14: der Klinik.
00:13:15: Du hast gerade ganz schön gesagt auf der einen Seite geht es darum Raum zu schaffen für Bedürfnisse wenn möglich auch schnell zu erfüllen.
00:13:25: Und du hast gerade schon von möglicherweise einer Zigarette rauchen gesprochen oder einem Glas Wasser usw.
00:13:31: Ich habe ja gehört, ihr habt da so einen ganz tollen Trick damit ihr diese Bedürfnisstilla nenn ich es sie jetzt mal auch ganz schnell parat habt.
00:13:40: Als wir die Ausbildung gemacht haben, haben wir uns überlegt wie können wir die kooliqialle Erstbetreuung auch unterstützen?
00:13:47: Und einer der wichtigsten Schritte für eine Erstbetreuung ist eigentlich den Betroffenen aus der Situation möglichst rauszuholen, in ein ruhiges Setting zu leiden.
00:13:55: Dafür haben wir hier im Klinik so leuchtengrüne Rucksäcke integriert die eine Flasche Wasser beinhalten, diesen Block zum Schreiben bein halten nochmal also die E-Schritte für die KIB als einen kleinen Spiegzeiteln mit drin haben aber sogar eine Schachtel Zigaretten und Ölchenüsse beinheiten damit man eben sofort gefappnet ist die ersten Bedürfnisse auch zu erfüllen.
00:14:18: Ja, sehr schön!
00:14:19: Ich finde diesen Rucksack wirklich richtig top.
00:14:21: also als ich in der Fortbildung von dir an da von gehört habe war es so ah ja das ist wirklich... Also eigentlich relativ einfach.
00:14:29: aber dass man überhaupt darüber nachdenkt achja wir machen den Rucksacks fertig dann ist er parat man hat eine Flasche Wasser und so muss sich nicht noch darum kümmern sondern ist auch ganz bei dem Betroffenen dann in dem Moment irgendwie total.
00:14:40: ja schön auch wenn's natürlich keine schöne Situation ist in denen der zum Einsatz kommt.
00:14:45: Und warum braucht es KIB denn überhaupt?
00:14:48: Weil ich habe jetzt auch meinen sozialen Medien zwischendurch noch so geschaut und da gibt's immer diese Vorurteile, ach Einsatzkräfte sind doch abgehärtet.
00:14:56: Die erleben sowas so oft, das macht denen doch gar nichts mehr aus.
00:14:59: Wieso braucht es dann KIB?
00:15:02: Ich glaube genau aus dem Grund braucht es kib.
00:15:10: Oder beziehungsweise von der Gesellschaft wird immer von uns erwartet, dass das normal wäre.
00:15:13: Das auszuhalten so und also wie ein Polizist ja auch mit Gewalt konfrontiert wird im Dienst oder jetzt ja auch immer wieder Rettungskräfte mit Gewalthaten irgendwie konfrontieren werden gefängniswert haben werden mit Gewaltauten konfrontierter bei all das sind Ja vor allen Dingen erst mal Menschen Und sind ja genauso viel wert oder genauso gut oder genauso schlecht wie diejenigen leute den sie da helfen müssen oder mit denen Sie da agieren müssen.
00:15:37: So nur weil wir jetzt als Rolle sag ich mal, den Hut der Krankenpflege oder der Krankenschwester oder des Arztes hier in der Klinik aufhaben.
00:15:45: Bedeutet das ja nicht dass wir freiwillig sind, sage ich mal für Übergriffe.
00:15:49: so und das ist glaube ich unglaublich wichtig und war glaube auch einer der Faktoren die uns am Anfang an aller Schwersten fielen überhaupt so eine Art, ja ich nenne es jetzt mal Selbstwertgefühl der Kollegen irgendwie zu schaffen im Sinne von Das Ist Nicht Normal teilweise passiert und du solltest es auch nicht als normal wahrnehmen.
00:16:11: Und klar, am Anfang haben wir uns halt viel anhören müssen so im Sinne von ja das gehört zur Arbeit hier mit dazu und soweit auch von den Kollegen selbst.
00:16:17: aber was ganz spannend war, als wir die Bestandskollegen am Anfang viel geschult hatten, war's auch so dass viele dann berichtet haben so ja es gab schon einige Übergriffe die irgendwie schlimm waren für mich oder ich habe etwas gelebt bei Kollegen oder so und da kam dann auf einmal doch irgendwie einen Zugang dazu.
00:16:35: inso im Sinne Ja, okay ist vielleicht wirklich gut da mal irgendwie ein Moment drüber zu sprechen oder zumindestens auch mal nur darüber nachzudenken.
00:16:43: Irgendwie kann sowas was auch mit mir machen so und weil ich glaube dass das einfach auch Selbstschutz ist, dass die Leute halt einfach sagen im Sinne von ja ich kann es nicht ändern und deswegen gehört nun mal dazu ich muss den Drops halt lutschen.
00:16:56: Das ist auf Dauer nicht gesund
00:16:58: dass ihr vielleicht auch so ein bisschen das Tor dahin geöffnet habt.
00:17:01: Also im Sinne von, hey wir brechen so'n bisschen das Schweigen und sagen es ist total okay, dass es einem mit solchen Sachen nicht gut geht.
00:17:08: Es ist ok darüber zu sprechen und es ist ok, dass auch als Pflegefachkraftarzt, Ärztin, Psychologe in das einen sowas belastet und mitnimmt und dass man sowas in Anspruch nimmt weil wie du schön gesagt hast nur wenn man diese Rolle einnimmt in diesen Beruf wie andere die irgendwo im Büro sitzen zum Beispiel ja auch heißt es nicht, dass man selber keine Angriffslächer hat für irgendwelche Art und Weise, Art von Problemen zum Beispiel.
00:17:34: Ja es ist ja auch einfach so dass diese Idee der KIB oder dieser Wunsch nach KIB kam ja nicht von Arndt und mir das kam ja auch aus der Belegschaft.
00:17:42: also in Fragebögen die es damals zum Thema Deeskalationsmanagement gab war halt ganz unten gab's eine Box mit wegen was wünscht du dir noch zu dem Thema oder sowas?
00:17:54: Und da kamen damals auch ganz viele Rückmeldungen im Sinne Es muss auch irgendwie eine Nachbetreuung geben, es muss irgendwie eine Möglichkeit geben irgendwie so was auffangen zu können oder so.
00:18:03: Und daraus ist das ja eigentlich mehr oder weniger entstanden, dass wir gesagt haben von wegen okay dann lass uns doch nochmal auf Prodema zugehen die auch für uns das Deeskalationsmanagement machen und da noch mal irgendwie den nächsten Schritt weiter denken, weil das gehört jetzt zur Wir sind ja Teil des DS-Sieben Kreislaufs, wir sind ja die DR-Sieben also die KIB Ja, haben da dann praktisch gesehen nur den nächsten logischen Evolutionsschritt im Kreislauf der Probleme gemacht und damit keine Wähler ausgebildet.
00:18:33: Auf jeden Fall.
00:18:33: Und ich finde es gut, dass du das nochmal ansprichst, dass die kollegiale Erstbetreuung ja auch wirklich nur dann zum Einsatz kommt wenn durch Deeskalation im Voraus quasi eine schlimme Situation nicht mehr abgewandt werden konnte weil im Endeffekt ihr wisst es wahrscheinlich besser vielleicht können wir uns noch mal kurz erklären dieses Deescalationsmanagement zu dem wir schon eine Folge veröffentlicht haben besteht ja aus verschiedenen Stufen und wie du schon gesagt hast ist die kollegiale Erstbetreuung dann die siebte Stufe, in dem Sinne die letzte.
00:19:02: Und da sieht man das vorher einfach schon einiges auch passiert ist bis es überhaupt zur kollegialen Erstbetreuerung kommt.
00:19:08: also da muss die Situation einfach anders nicht mehr händelbar gewesen sein.
00:19:13: Genau im besten Fall müsste uns ja gar nicht geben weil im besten fall ist es die DS eins bis DS drei glaube ich.
00:19:20: Also das Präventiv wird dann schon so erfolgreich dass DS vier bis DS sechs Eskalative beziehungsweise das Leiden der Situation oder dieses Übergriff ist dann gar nicht zu starten kommen, so dass es die DS eben gar nicht brauchen würde.
00:19:32: Eider ist das nicht immer der Fall.
00:19:35: aber ich muss auch ehrlicherweise sagen, dass sich der Klinik unglaublich dankbar dafür bin, dass es uns überhaupt gibt weil ich glaube, das hat extrem viel mit der Wahrnehmung der Mitarbeiter unter einander aber auch mit sich selbst irgendwie gemacht und dass man auf einmal das Gefühl hat von wegen okay der Arbeitgeber dem ist das wirklich wichtig irgendwie vollkommen egal und ich bin nicht irgendwie nur eine Nummer im System.
00:19:56: Und ich glaube, da haben wir als KIW ganz viel erreicht also dass wir überhaupt die Möglichkeit hatten dieses Tor wie du sagst das aufzustoßen.
00:20:05: Das ist ja vor allen Dingen Angebot unserer Klinik und wir sind ein großer Vorreiter was das angeht.
00:20:11: auch im Vergleich zu anderen sozialen Einrichtungen hier im Nordwesten sind wir mit Sicherheit diejenigen die am weitesten sind oder dieses Problem oder diese Situation irgendwie am weitest denken.
00:20:22: Und ja, das ist super und zeichnet uns auch absolut aus als Arbeitgeber.
00:20:28: Und dadurch dass es euch gibt, ist es auch irgendwie nochmal so diese offizielle Erlaubnis, auch wenn man die natürlich nicht braucht aber dieses... Offizielle, hey bitte nimm dir den Moment für dich selber.
00:20:38: Hey bitte denk noch mal kurz über diese Situation nach und es gibt Menschen die du ansprechen kannst hier in der KJK sogar alle Menschen die eingestellt werden mit denen du darüber sprechen kannst die dir Raum geben.
00:20:49: Du darfst diese Pause machen, du darfst möglicherweise sogar nach Hause fahren wenn's viel zu schlimm war.
00:20:54: also ich glaube dadurch dass das von so einer offiziellen Stelle nochmal kommt macht das auch ganz ganz viel mit den Mitarbeitenden kann nicht mehr vorstellen.
00:21:01: Ich erinnere mich auch an Situationen, bevor es uns gab die mich letztendlich dazu motiviert haben den Trainer zu machen.
00:21:08: Da sind Dinge passiert, die dann so in den Alltag mit verwoben waren und trotzdem das eigene Vorstellungsvermögen gesprengt haben in der Situation dass sich auch Kollegen teilweise aus der Klinik verabschiedet haben weil sie damit konfrontiert sind, dass hier eine istoldes Gripanz gibt, die so jetzt erstmal schwer zu verarbeiten.
00:21:28: Und ich glaube, dass solche Ereignisse durch die KEB deutlich weniger werden.
00:21:32: Auch wenn von außen gesagt wird das muss man ja abkönnen.
00:21:37: Man muss erstmal lernen solche Dinge überhaupt abzukönen und die KE B ist ein ganz wichtiger Baustein um auf seinem Berufsweg diese Resilienz auch aufzubauen.
00:21:48: Es ist ja nicht so, dass beim Vorstellungsgespräch für die KJK oder sämtliche andere Gesundheitseinrichtungen einmal kurz die Resilienz geprüft wird und gesagt wird, was hältst du denn eigentlich aus?
00:21:59: Und wenn du das aushältst darfst du hier hinkommen.
00:22:01: Sondern es ist ja wirklich so, daß man sich das auch mit beispielsweise der KEB zusammen aufbaut mit verschiedenen Strategien, die man ja durch das Arbeiten hier einfach erlernt wie man mit Situationen umgeht, die vielleicht erst mal nicht so greifbar scheinen.
00:22:15: Ich denke, dass wir jetzt schon einen guten Eindruck davon bekommen haben was KIB ist und warum wir sie unbedingt brauchen.
00:22:21: Und haben das glaube ich auch immer wieder in den Vordergrund geschoben.
00:22:24: Das ist eigentlich auch wirklich so das Worst Case-Szenario ja eigentlich auch ist wo man dann die KIB überhaupt braucht.
00:22:30: aber es ist halt einfach wichtig zu wissen, dass diese da ist und in Anspruch genommen werden kann und im Endeffekt der auch einen großen Effekt hat.
00:22:38: Da ist nochmal so eine Frage mich im Voraus beschäftigt hat.
00:22:43: Was sind zum Beispiel eine normale Stressreaktion von einer Trauma-Volgestörung unterscheidet?
00:22:49: Vielleicht ganz kurz, weil wir ja vorhin auch schon mal darüber geredet haben dass die KIB dafür da ist potenziell traumatische Ereignisse präventiv quasi zu verarbeiten damit es halt nicht zu einer traumatischen Störung kommt.
00:23:05: Also was erst einmal ganz normales wenn etwas Schlimmes oder etwas schwierig zu verarbeiten ist, passiert sind Albträume.
00:23:13: Mit den meisten Betroffenen mit denen ich zu tun hatte war Albtäume eigentlich das was alle angegeben haben und was durchaus normal ist eine Konzentrationsstörung ist genauso normal und es kann sogar normal sein in so einer kleine Derealisation zu verfallen, in so eine leichte Apathie oder auch einen Fluchtmoment gehabt zu haben oder schnell erregbar wütend zu werden alles noch im Rahmen des normalen Spektrums.
00:23:41: eher ein Indikator dafür, hey das was da gerade passiert ist verdient ist jetzt nochmal genauer überdacht zu werden.
00:23:48: Kritisch wird es dann im Verlauf wenn diese Symptome nicht weggehen und wenn sich dazu noch Begleitprobleme entwickeln wie zum Beispiel einen erhöhter Konsum von Suchtmitteln oder eine ausgeprägte Schlafstörung oder intensive Albträume dann sollte man in jedem Fall nochmal den Weg zum Psychotherapeutin suchen.
00:24:11: Und da spielt ja auch ein zeitlicher Faktor, glaube ich, eine große Rolle oder?
00:24:15: Also dass man von der Traumavolgestörung erst nach einer gewissen Anzahl von Wochen zum Beispiel spricht wenn sich diese Symptome eben nicht verbessern.
00:24:23: Hat das richtig?
00:24:24: Genau, also der Akute schockt.
00:24:25: Er kann bis zu achtundvierzig Stunden anhalten.
00:24:28: wenn man sich das einmal auf die Zunge zergehen lässt dass man achtund vierzig Stunden in einem Zustand der Kontrolllosigkeit sein können ist das schon sehr beeindruckend.
00:24:36: und dann geht es eine so akute Belastungsreaktion Die bis zu sechs Wochen andauern kann.
00:24:41: und danach Können wir erst so grob einschätzen ob das was wir erlebt haben mit einer gesunde Neuorganisation verläuft und es wird gut hinter uns lassen können oder ob das, was wir erlebt haben einen bleibenden Schaden hinterlässt.
00:24:59: Und wir haben ja schon darüber gesprochen, dass es halt auch einfach einen Unterschied machen kann.
00:25:03: Wann man interveniert im Sinne der KEB mögt ihr dazu vielleicht nochmal kurz was sagen?
00:25:08: Weil das geht ja präventiv darum diese Traumavollgestörung abzuwenden quasi und da ist es ja wichtig, dass man dann halt früher in Kontakt kommt und dafür ist die KEB auch da.
00:25:18: Mögt ihr das noch mal einmal erklären warum das so wichtig ist?
00:25:21: Genau sehr basal gesagt!
00:25:24: Man dem Körper oder dem Geist hilft, dieses Ereignis so in die richtige Schublade zu stecken und das versucht irgendwie richtig einzuordnen.
00:25:33: Und für sich selber halt klar bekommt okay Das war jetzt was nicht normal war.
00:25:38: aber dadurch dass ich mich damit auseinandersetze und dadurch dass Ich auch merke dass ich das nicht alleine tun muss und dass auch meine Bedürfnisse in dem Moment eine wichtige Rolle spielen Das gibt glaube ich schon ganz viel Kraft und auch ja einem gewissen Ressourcen, dass man das im Zukunft halt besser verarbeiten kann.
00:25:57: Und ich glaube, dass viele Dinge die über eine lange Zeit passieren – es muss ja auch nicht unbedingt immer dieses eine extrem krasse Ereignis gegeben haben so.
00:26:07: Es kann ja auch Stehtortropfenhöhe den Stein... Häufig haben wir zum Beispiel auf geschlossene Stationen Probleme, extremer Lautstärke mit extremen Hektik.
00:26:17: Ganz viele Dinge die gleichzeitig auf uns einprasseln und so weiter und sofort und das kann ja auch die Resilienz eines Kollegen oder eines Betroffenen extrem hemmen und ihnen ja auch viel anfälliger dafür machen bestimmte Situation sage ich mal auch wesentlich krasser zu empfinden oder wesentlich dass es wesentlich mehr an ihn herangeht.
00:26:37: zusätzlich muss man noch sagen große Problematik da drin besteht, wenn auf einmal das eigene Handeln durch diesen Vorfall beeinflusst wird.
00:26:46: Also dass man versucht irgendwie Situationen zu vermeiden, wenn es jetzt zum Beispiel bei einer Medikationsgabe oder irgendwas so was zu einem Übergriff gekommen ist oder man versucht den Kontakt zu bestimmten Patienten zu vermeidern die man als potenziell gefährlich einschätzt.
00:26:59: und das muss ja nicht mal der Patient gewesen sein, der jetzt irgendwie den übergriff mit mir hatte sondern das ist dann auf einmal vielleicht gedanklich auch an eine Diagnose geknüpft Versucht weniger Kontakt, sag ich mal zum Beispiel mit Manikant zu haben oder wie auch immer.
00:27:13: Und das hat ja auch massive Folgen für die Station und die Zusammenarbeit mit den Kollegen, die nicht betroffen sind auf der Station.
00:27:21: Da hat natürlich auch der Arbeitgeber gesteigertes Interesse daran, dass das nicht der Fall ist so.
00:27:28: Ja von daher glaube ich, dass halt super, super wichtig ist, dass es darum diese Bedürfnisbefriedigung hin geht, dass man sagt Es ist okay dass ich das jetzt in diesem Moment so fühle und dass es dann auch wertschätzt wird.
00:27:43: Ich finde es ganz klasse, dass du von einem einordnen und einräumen der Situation gesprochen hast.
00:27:48: Weil das ja eigentlich genau das ist was bei einer posttraumatischen Belastungsstörung im Endeffekt nicht mehr richtig funktioniert.
00:27:55: Da hat man dann auch diese bestimmte Art an dem Amnesie die wir in unserer Basicsfolge dazu noch mal ganz genau beschrieben haben wo es dann letztendlich darum geht, dass während eines dramatischen Ereignisses Bodenstoffe ausgeschüttet werden wodurch einfach diese Einzelteile der Situation nicht vernünftig eingeordnet werden können.
00:28:15: Und dadurch ist es so, dass sie quasi zwischengespeichert werden und dann immer mal wieder abgerufen werden können durch potenzielle Trigger ausgelöst die man vielleicht vorher bevor diese Flashbacks beispielsweise hervorrufen gar nicht benennen kann weil man gar nicht weiß was das sind.
00:28:34: Das passt super gut mit diesem Einordnen.
00:28:36: Weil dadurch, dass man ja quasi dieses Einordnenden bewusst einschiebt und sagt hey wir nehmen uns jetzt Zeit dafür das nochmal kurz einzuordnen um es damit auseinanderzusetzen nimmt man quasi der posttraumatischen Belastungsstörung oder versucht ist ein bisschen das Feuer zu nehmen weil dadurch dass man das ja einordnet macht man genau das was bei der Post Traumatische Belastung Störungen eben nicht funktioniert schon vorher so dass es dazu gar nicht mehr kommt.
00:29:01: im besten Fall.
00:29:02: natürlich kann das auch nicht immer funktionieren, aber da merkt man einfach noch mal was ihr für einen großen Stellenwert habt und warum das so wichtig ist.
00:29:09: Ich hoffe man hat ein bisschen verstanden was ich meinte mit meinem Einräumen- und Ausräumen und Einordnen weil ich gerade glaube ich sehr viele Wortdopplungen hatte.
00:29:17: Aber ich glaube es ist soweit klar Und falls ihr das nur nicht ganz verstanden habt dann alle da draußen hört gerne noch in unsere Basics Folge posttraumatische Belastungsstörung rein.
00:29:26: Das könnte vielleicht im Anschluss dieser Folge noch eine gute Folge für euch sein.
00:29:33: Wenn ihr jetzt so eine KIB-Situation hattet, was sagen Betroffene beispielsweise, was ihnen wirklich geholfen hat?
00:29:40: Also was wird euch so gefeedbackt?
00:29:43: vielleicht auch ganz im generellen jetzt keine spezifische Situation.
00:29:47: Also am meisten hilft eigentlich erst mal Raum für sich zu haben, was für die kollegiale Erstbetreuung einfach schädlich ist es wenn man in seinem Arbeitsplatz weiter funktionieren muss.
00:29:59: Das ist die Situation, die wir im Feuer hatten.
00:30:02: Die Erwartungshaltung, ja das ist jetzt passiert aber der Laden muss bis zu meinem Schichtende hier weiter laufen und es ist noch genug Arbeit.
00:30:09: Und das nehmen wir den Betroffenen jetzt weg.
00:30:11: Wir sagen denen hey das ist vollkommen okay hier jetzt auszufallen und sich erst mal um sich selbst zu kümmern.
00:30:17: So ist die DSi mehr immer aufgeteilt.
00:30:19: bevor ich überhaupt irgendwas in der Nachsorge mache gucke ich in der Kuligerien Erstbetreuung ob alle betroffen sind.
00:30:24: soweit erstmal fein versorgt sind.
00:30:27: Ja, es geht auf jeden Fall darum dass zum einen Bedürfnisse befriedigt werden aber zum anderen ist das ja mit Sicherheit auch einfach.
00:30:34: also was ich kann jetzt ja nur aus meiner Warte sprechen wo ich selbst Betroffener war weil ich finde auch dass die einzigartige Quartesituation die ich hier schildern kann kann ich mich gut daran erinnern als ich noch auf eine geschlossenen Grundhubsichertrie gearbeitet hatte.
00:30:48: da war ich alleine im Nachtdienst damals aufgrund von Dingen die passiert sind Ja, und da gab es auch keinen jetzt direkt einen körperlichen Übergriff auf mich.
00:30:58: Aber die Nacht war wirklich nicht angenehm, sag ich mal so.
00:31:02: Und das gab eine extreme Arbeitsverdichtung.
00:31:07: Dann hatte ich die Kollegen von der Nachbarstation angerufen und meinte von Winger, ihr müsst mal im Kurze herkommen!
00:31:11: Ich muss mal eben einfach einen Moment raus!
00:31:13: Das hatte ich dann für mich selber eingefordert, auch ohne dass es jetzt irgendwie von den Kollegen direkt ersichtbar war, dass ich jetzt Hilfe brauche... Das hat mir so gut getan.
00:31:24: Also einfach auch, dass die Kollegen das nicht in Frage gestellt haben und einfach dieses im Sinne von ich seh dich und ich nehme das an also dass deine Bedürfnisse jetzt für uns hier wichtig sind.
00:31:33: Und das ist ja auch das was wir versuchen den Patienten zu vermitteln Sollte es uns jetzt schlechter gehen in Anfangsstrichen nur, weil wir hier arbeiten.
00:31:42: Also ich versuche jeden hier auf der Arbeit so menschlich wie es irgendwie möglich ist zu behandeln und genau das Gleiche sollte ich von mir ja auch erwarten.
00:31:50: Und dass es auch irgendwie was, was Ich auch den Betroffenen jedes Mal wieder mitgebe nach einer KB.
00:31:55: Es ist super wichtig, dass du auf dich selber achtest.
00:31:58: Also einfach, du kennst ja deine Bedürfnisse besser als jeder andere von uns und du kannst dir selber auch sagen okay wo ist meine Grenze erreicht oder wo kann ich sagen irgendwie jetzt wird's mir zu viel oder wie auch immer so.
00:32:09: Und dass wir als KIB-Lah eine Unternehmenskultur in gewisser Art und Weise mitgefördert haben, wo es auch ok ist das zu sagen ohne dass irgendein Kollege sagt von wegen wieso?
00:32:18: Du arbeitest doch in der Psychiatrie, das musst du doch gewöhnt sein.
00:32:21: Oder dass man als Schwäche gedeutet wird und deswegen dann vielleicht die Leute da Angst vorhaben das zu äußern.
00:32:28: Ich glaube, das ist unser größter Erfolg als KIB, diese Unternehmenskultur geschaffen
00:32:33: zu haben.
00:32:34: Definitiv und wenn man jetzt mal in die andere Seite guckt, fallen euch Sachen ein, die man im Rahmen einer KIB auf jeden Fall nicht machen sollte?
00:32:45: Eine zu frühe Nachbearbeitung eines Vorfalls ist eigentlich immer Gift.
00:32:49: Man sollte es eben vermeiden sich direkt alle Betroffenen am Tisch zu holen und jetzt überlegen okay... Wie verteilen wir jetzt die Aufgaben als nächstes?
00:32:57: Sondern man sollte eben schon gucken, dass alle so weit stabil mit der Situation fein sind.
00:33:02: Und man sollte auch den sensiblen Umgang beherrschen haben bei uns in den Schulungen oft noch solche No-Go-Sätze mit drinne, die man tunlichst vermeiden sollte.
00:33:13: Da sind dann solche Sachen drin, wie du weißt ja wo du arbeitest oder hey ist doch nicht so schlimm.
00:33:18: Die sagt man oft erstmal in einem gut gemeinten Ansatz.
00:33:22: die setzen aber falsche Impulse bei den Betroffenen.
00:33:27: zusätzlich kann man noch schnell dafür sorgen dass der betroffene verblicken geschützt ist und eben eigentlich mit das Wichtigste ist, das Leading in einem ruhigen Raum.
00:33:36: Also jemand der betroffen ist so schnell wie möglich aus der Geschehenssituation rauszuholen damit man auch die Möglichkeit hat stürungsfrei demjenigen zu helfen.
00:33:48: Ich glaube dass es eigentlich perfekt was du gerade gesagt hast im Sinne von auch wenn sich das zum Beispiel auch Menschen anhören die hier in der KJK arbeiten vor Augen zu führen, weil ich glaube dieses Relativieren ist im Endeffekt eigentlich das was gar kein Raum für Emotionen oder für Reflexion lässt.
00:34:04: Weil dadurch dass man es relativiert und sagt is ja gar nicht so schlimm oder solche Sachen, ist es halt so ein bisschen so.
00:34:10: Ja ok komm tu mal jetzt nicht so reist sich doch jetzt mal zusammen und dieses Reiß dich doch jetzt einmal zusammen ist ja das was einem all den Raum eigentlich für Gedanken und Gefühle dann nimmt.
00:34:20: in dem Moment Und wenn merkt man Hier nicht reicht.
00:34:25: Also, dass es einfach mehr braucht wenn wir vorhin schon über diese langfristigen Folgen gesprochen aber wo merkt man das vielleicht auch schon direkt?
00:34:34: oder gibt es gar keine Situation?
00:34:35: der ist erstmal direkt nicht reicht?
00:34:39: Es gibt so ein paar Indikatoren die man für sich selbst auch sehr deutlich spürt die sagen hey das war zu viel Und das ist schon ganz allein, dieses subjektive Gefühl überfordert mit der Situation zu sein.
00:34:50: Das ist ein unglaublich starker Indikator und es kommt aus dem Unterbewusstsein – ich kann's mir nicht erklären ob es funktioniert!
00:34:58: Dann sind die Situationen, die passieren während man sowieso schon sehr belastet ist.
00:35:05: also wenn man jetzt auch noch familiär gerade große Probleme hat... meinetwegen finanzielle Schwierigkeiten, das Haus zu halten oder total überfordert ist mit etwas.
00:35:15: Und dann kommt so was noch obendrauf?
00:35:16: Dann ist es auch ein Indikator dafür, dass frühe professionelle Hilfe sehr nützlich sein kann.
00:35:23: Ansonsten sagen wir in den Schulungen immer wenn die Symptome länger als vier Wochen anhalten, dann sollte man sich auch nochmal melden.
00:35:32: Wir regeln es in der Regel, sodass die kollegiale Erstbetreuung Um abzufragen, ob soweit alles in
00:35:40: Ordnung ist.
00:35:41: Vielleicht hier auch nochmal der Hinweis darauf, dass Team oder das Grundteam der KIB-Lah sind natürlich mehr als nur Arnd und ich.
00:35:47: also wir sind jetzt hier zwar aufgrund des Podcasts hier aber es gibt noch andere Kollegen die KIB LAH sind, also KIB Trainer sind.
00:35:56: Und wie gesagt im besten Fall ist es ja so, dass man mit jedem Kollegen darüber sprechen kann weil es einfach... Also die Betonung liegt ja auf Kollegialität oder auf Kollegial.
00:36:07: Und ich glaube, dass wir da halt so ein bisschen hinmüssen sag' ich mal wenn man dann irgendwie sowas bei sich selber merkt weil im Endeffekt merkt man's ja am besten bei sich selbst.
00:36:19: Dann einfach zu sagen von wegen... Ich komm mir nicht klar aus verschiedenen Gründen und das glaube ich ja sprecht uns gerne an oder die anderen Kollegen der KIB oder eure Kollegen also passt auch für euch auf!
00:36:34: Ich finde, das ist ganz schön wie du es jetzt gerade gesagt hast.
00:36:37: Und ich glaube dass ich das mit diesem Satz auch gerne bei dem Thema KIB erstmal in der Tiefe belassen würde und würde euch eigentlich nur noch mal fragen was ihr denn jetzt Menschen da draußen mitgeben würdet als Transfer für einfach so Situationen im Alltag die nicht in der Psychiatrie, die nicht im Krankenhaus stattfinden sondern meinetwegen im Supermarkt ist gerade etwas total Schlimmes passiert und man sieht Boah, der Person geht es gerade nicht gut.
00:37:03: Wir haben leider keinen Rucksack mit Snacks oder Zigaretten.
00:37:06: aber was würdet ihr sagen?
00:37:07: Was jeder und jede da draußen mitnehmen kann?
00:37:09: Mein Appell wäre einfach wenn ihr merkt dass das Leuten nicht gut geht dann haltet inne nehmt die Situation noch einmal intensiv wahr und bietet euch an oder stellt euch zur Verfügung gar nicht aufdringlich, gar nicht mit hinterherlaufen und tausend Angebote machen sondern einfach nur signalisieren hey ich bin jetzt da und wenn du etwas brauchst Nicht ein Einsatz entfernt.
00:37:34: Genau, erst mal kommt es handeln.
00:37:36: also wie gesagt um nochmal den Boden zur ersten Hilfe zu schlagen.
00:37:40: da ist das ja auch so wenn ich jemanden irgendwie regungslos auf dem Boden vor finde klar ich kann einfach drüber steigen oder ich komme irgendwie ins Handeln und in dem Moment ist es da genau dass gleiche ohne jetzt zu drängen ohne zu forcieren was vielleicht auch gar nicht gewünscht ist in dem moment aber Einfach auch nun mal nachzufragen, einfach.
00:37:58: Also gerade bei jemanden der jetzt nicht mein Kollege ist es ja ganz häufig auch dass die Leute komplett verdutzt reagieren.
00:38:03: wenn man irgendwie so im Sinne von ich habe das jetzt wahrgenommen dass irgendwas passiert ist alles okay.
00:38:08: also alleine nur diese Frage ist ja schon mit vielen Leuten so.
00:38:12: aus dem Alltag heraus sag ich mal dass das dann auf einmal so höh Moment.
00:38:17: Ja ok stimmt die Situation wäre jetzt wirklich vielleicht irgendwie komisch oder so und da dann einfach das Eis zu brechen in den momenten ohne dass daraus jetzt auch irgendwas Konkretes passieren muss.
00:38:26: Einfach nur da zu sein,
00:38:29: wie Arndt schon gesehen wird.
00:38:31: Ja sehr schön!
00:38:31: Ich habe dem Ganzen wirklich gar nichts mehr hinzuzufügen.
00:38:34: Ihr habt mich quasi sprachlos gemacht und ich möchte auch gar nicht irgendwie noch mehr sagen weil ich finde das einfach ein wunderschönes Ende für diese Folge ist und dementsprechend würde ich mich einfach nur noch recht herzlich bei euch beiden bedanken, dass ihr euch diese Zeit genommen habt mit mir dieser Folge aufzunehmen Und dafür zu sorgen, dass auch Menschen da draußen vielleicht ein Teil der KEB mit in ihren Alltag integrieren.
00:38:56: Danke euch dafür!
00:38:57: Schön, dass ihr da wart und ich sage tschüss!
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