#51 ALKOHOLABHÄNGIGKEIT – Erfahrungs-Talk
Shownotes
Moin aus der KJK!
Erna ist Erfahrungsexpertin zum Thema Alkoholabhängigkeit. Sie ist Alkoholikerin führt seit 15 Jahren ein trockenes Leben. In der neuen Folge von „Die Wahrheit irgendwo hier drinnen“ erzählt sie Leon von ihrer Schwermütigkeit in Kindheit und Jugend und davon, wie Alkohol für sie „das kalte Gefühl weggemacht“ hat. Früh erhielt sie die Diagnose Alkoholabhängigkeit – zunächst eine Erleichterung, weil ihr Gefühl endlich einen Namen hatte.
Es folgten Entzug, Therapie, ein Studium der Sozialpädagogik und viele Jahre ohne Alkohol. Doch nach 19 Jahren begann erneut ein Doppelleben mit der Sucht – in dem Glauben, Alkohol kontrollieren zu können.
Schonungslos offen spricht Erna über Scham, Rückfall und Alkoholismus als chronische Erkrankung. Gleichzeitig erzählt sie von ihrem Sicherheitsnetz, ihren Strategien für Abstinenz und warum der Weg ein tägliches Dranbleiben bedeutet. Auch die Diagnose Depression und deren Behandlung waren ein wichtiger Teil ihres Weges. Für Erna beginnt Veränderung mit Ehrlichkeit sich selbst gegenüber.
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00:00:08: Hallo an alle da draußen, das ist die Wahrheit irgendwo hier drin.
00:00:12: Euer integrativer Psychiatrie-Podcast aus dem hohen Norden vor den Touren Oldenburgs.
00:00:25: Mein Name ist Leon und ich bin heute zum Glück nicht alleine hier sondern mit Erna.
00:00:30: Mein name ist Erna und ... Ich bin ein bisschen aufgeregt, freu mich aber heute hier bei Ihnen zu sein an diesen Podcast teilzunehmen.
00:00:40: und ja!
00:00:42: Ja, das ist doch ganz normal da erstmal aufgeregt zu sein.
00:00:44: Ich bin auch ein bisschen aufgereght und das wird sich legen mit der Zeit glaube ich.
00:00:48: Vielleicht starten wir gleich mal mit unserem Eisbrecher damit die Aufregung etwas sinken kann.
00:00:53: und zwar haben sie drei Geschichten vorbereitet und eine davon ist etwas geflunkert.
00:00:59: Das stimmt ja!
00:01:01: Ja, dass habe ich ja erst sehr kurzfristig erfahren und hab mir Gedanken gemacht Und ich fange einfach mal an mit der ersten Geschichte.
00:01:09: Ja, das habe ich Ihnen heute Morgen geschrieben.
00:01:11: Richtig, richtig!
00:01:13: Da hab' ich schon gedacht, oh Gott jetzt musst du die hier noch nie... Ich hab mich nicht so doll angestrengt und ich hab mir was überlegt.
00:01:18: Das war auch sofort da und das erzählte ich jetzt erstmal.
00:01:22: Also die erste Geschichte ist so Wir haben ja Frühlinge im Moment, ne?
00:01:28: Im Frühjahr erwacht alles so und ich selber Ich finde das so schön, in diesen Frühlingszahlen gerade so jetzt wo es auch wieder wärmern wird an einem Samstagmorgen in die Stadt nach Oldenburg zu fahren.
00:01:45: Zu shoppen, die vielen Menschen und überall sieht man freundliche Gesichter und deswegen ist das total toll!
00:01:54: Dann zu gucken bisschen zu stöbern vielleicht noch Freunde zu treffen ja dass ist so ein Ding von mir was ich gerne mag.
00:02:04: Soll ich die zweite Geschichte gleich oder?
00:02:06: Ja, sehr gerne.
00:02:06: Sie können erst mal alle drei erzählen das klang jetzt erstmal glaubhaft für mich aber wer weiß was jetzt noch kommt.
00:02:11: Genau.
00:02:12: also die zweite geschichte hat auch etwas mit dem Frühling zu tun.
00:02:17: Ich habe einen kleinen Garten und Im winter liegt er natürlich brach.
00:02:24: ich bin eine Die im Winter nicht alles zurückschneidet was sie so anstaunen hat einfach wegen der natur der vögel.
00:02:32: Und ja, und dann ist es an der Zeit so im März mal zu gucken wo kann man anfangen aufzuräumen im Garten ein bisschen Stauden zurück schneiden.
00:02:44: Ja und da ist das natürlich jetzt in dieser Zeit wieder Thema.
00:02:48: Es ist auch Arbeit muss ich ganz klar sagen.
00:02:51: aber das ist auch eine Beschäftigung die ich sehr gerne mag.
00:02:58: Also das Gärtner.
00:02:59: Das Gärtners im eigenen Garten, genau.
00:03:02: Das nehme ich Ihnen auf jeden Fall auch erst mal ab.
00:03:06: Aber gucken wir mal was jetzt der Nummer drei ist?
00:03:08: Ja die dritte Geschichte hat jetzt nichts mit dem Frühling zu tun sondern eher mit einem Winter.
00:03:15: da bin ich jemand der sehr gerne in die Sauna geht und das genießt Diese Wärme, diese Hitze das entspannen und wenn es ganz gut geht die Möglichkeit besteht ein Eisbad zu nehmen.
00:03:37: Das ist natürlich hier in Oldenburg nicht möglich aber anderswo dann liebe ich das auch zum Beispiel in die Ostsee zu springen und das mit dem Winter.
00:03:47: Das sind die dritte Geschichte.
00:03:49: Gut, also die erste Geschichte wäre sie gehen gerne an schönen Frühlingstagen morgens durch Oldenburg schlendern da shoppen.
00:03:59: Die zweite ist sie gärtnern gerne im eigenen Garten.
00:04:01: Die dritte ab und zu Eisbaden auch einfach mal im Ozean.
00:04:07: Tja!
00:04:10: Na ja das Verrückte wäre natürlich das Eisbaden und das glaube ich ihnen jetzt einfach mal.
00:04:18: Ich sage... Den grünen Daumen haben sie auch.
00:04:20: Ich glaube, Sie sind keine Frühaufstärin.
00:04:23: Deswegen Nummer eins stimmt nicht.
00:04:26: Das stimmt!
00:04:28: Wobei das nichts mit dem Frühaufstehen zu tun hat sondern einfach ich ist hasse Samstagsmorgens in der Stadt zu sein.
00:04:36: Ich war gut geflungert.
00:04:39: Sehr gut, sehr gut.
00:04:39: Ich bin selber überrascht dass ich's erraten habe aber...
00:04:43: Ja und die anderen beiden sind wirklich Leidenschaften von mir.
00:04:50: Weswegen sind wir heute hier?
00:04:51: Jo, ich trink mal ein Glas Wasser.
00:04:57: Ja Ich bin Erna und ich bin eine Alkoholikerin Und Gott sei Dank zum Glück schon sehr lange jetzt wieder trocken.
00:05:05: Ich bin über fünfzehn Jahre abstinent und ja und ich glaube ich kann hier nur sitzen weil ich auch abstinent bin ein trockenes Leben führen kann.
00:05:20: Das geht natürlich nicht von ganz alleine, ne?
00:05:23: Das heißt wir sprechen heute über Alkoholabhängigkeit.
00:05:26: Sie haben Erfahrungen damit sind sozusagen eine Erfahrungsexpertin und teilen diese Erfahrungen heute mit uns.
00:05:31: dafür schon mal vielen Dank für die Offenheit.
00:05:35: Wollen sie vielleicht sich unseren Hörerinnen und Hörern ganz kurz vorstellen jenseits dieser drei Geschichten Damit sie wissen wer da eigentlich vom Mikrofon sitzt?
00:05:43: Ja das mache ich ganz gerne.
00:05:44: also Ich bin eine einsechzigjährige Frau, die Alkoholikerin ist und das ist auch okay so.
00:05:56: Und ja wie soll ich anfangen?
00:05:59: Ich lebe schon sehr lange abstinent.
00:06:02: Ich habe hier Hilfe in der Institutsambulanz, worüber ich total glücklich bin.
00:06:07: seit vier Jahren Jetzt gar nicht mal, ja gut das wird jetzt so weit führen.
00:06:12: Ich muss ein bisschen aufmachen, dass ich mich nicht verfronte aber sonst bremsen sie mich einfach.
00:06:17: Mach' ich ja!
00:06:18: Ich bin schon sehr früh mit dem Alkohol in Kontakt gekommen.
00:06:22: Schon als junges Mädchen... ...ich bin in einem ganz normalen Elternhaus aufgewachsen, Beamtenfamilie und so.
00:06:34: In den Sechziger-Siebzigerjahren war ich halt Kind Allerdings schon als kleines Mädchen damals erlebt, dass ich so eine Schwermütigkeit hatte und wo ich nichts mit anzufangen wusste.
00:06:50: Und meine Herkunftsfamilie auch überhaupt nicht.
00:06:53: das war kein Thema liefert alles normal und Alkohol waren unserer Familie auch Ich komme aus dem Ostfriesischen.
00:07:01: Da ist es normal, dass man um elf Uhr – ich weiß nicht, ob ich das so sagen darf!
00:07:05: Aber dass da der Alkohol halt schon konsumiert wird und abends Bier und Korn.
00:07:11: Ja, dann war das für mich schon so mit elf Jahren Schluckbier beim Papamann mitzutrinken.
00:07:16: Habe ich gemerkt, dass in mir ein wohliges Gefühl, dass das irgendwas wegmacht was mich bedrückt hat, was sich aber damals ja gar nicht benennen konnte Und im Alter von, also ich habe da schon angefangen eigentlich dann auch nicht Alkohol zum Missbrauchen aber Alkohl zu mir zunehmen.
00:07:37: Das war normal und hab trotzdem parallel fühle.
00:07:42: Ich hab Abitur später gemacht so nach außen alles ganz normal und habe mit vierzehn Jahren, ich hab Tagebuch geführt, da reingeschrieben... Das werde ich auch nie vergessen.
00:07:56: Wenn ich so weiter trinke, werde ich davon nicht mehr
00:07:59: loskommen.".
00:08:02: Also wusste ich eigentlich schon sehr früh, dass ich gefährdet bin aber immer in Verbindung mit, äh... Dass ich nicht richtig bin.
00:08:11: also das dürfte ja keiner wissen weil, ne?
00:08:13: Das war kein Thema.
00:08:15: Das wurde nicht problematisiert.
00:08:17: Das kam erst so mit Fünfzehnsechzehn.
00:08:20: Das heißt bis dahin haben Sie heimlich getrunken?
00:08:22: Ja!
00:08:23: Ich habe heimisch getrunten Und sicherlich auch nicht jetzt in solchen Mengen, dass ich sofort aufgefallen bin.
00:08:34: Weil wie gesagt in unserem meinem Elternhaus... Ich habe einen älteren Bruder und war da ist es normal, dass da abends mittags, wie gesagt, auch schon getrunken wurde.
00:08:44: Es war nach außen hin eine heile Fassade.
00:08:47: So Vaterbeamte und ich hatte auch ein liebes Elternhaus.
00:08:50: Das kann ich wirklich nicht anders sagen.
00:08:52: aber Ich hatte halt in mir immer schon dieses Gefühl, dass es in mir kalt ist irgendwie.
00:08:58: Und Alkohol hat das... ...dieses Gefühl weggemacht!
00:09:02: Ich habe mich wohliger gefühlt und ich bin das erste Mal auffällig geworden, da war ich sechzehn.
00:09:12: Mein Bruder war zu dem Zeitpunkt schon außer Haus weil er vier Jahre älter war.
00:09:16: Und ich hab abends den selbst gebrannten Calvados von meinem Papa getrunken, weil ich Liebeskummer hatte und in der Schule eine schlechte Note im Leistungskurs.
00:09:28: Und da war ich also schon so weit das sich auch an den Kontrollverlust.
00:09:32: Das ist für mich ein ganz wichtiger Punkt dass ich es nicht mehr kontrollieren konnte.
00:09:37: Ich bin ohnmächtig wohl geworden der mich auch, denke ich letztlich am Leben gelassen hat.
00:09:47: Hat es dann irgendwie geschafft dass ich auf dem Balkon gegangen bin und ohnmächtig geworden bin.
00:09:52: Und als meine Eltern die den Arm verabredet waren wieder kamen haben sie mich aufgefunden.
00:09:59: Ich war halt gar nicht richtig bei Bewusstsein oder die dachten ich hätte Tabletten geschluckt.
00:10:03: Dann habe mich damals in das Krankenhaus gebracht in die Psychiatrie.
00:10:07: mir wurde der Magen ausgepumpt Die Psychiaterdur, das war der erste Kontakt halt auch mit Psychiatriedern.
00:10:17: Ich habe das wohl gemerkt dann mit dem Schlauch, es war schon ein krasses Erlebnis.
00:10:23: Die wollten mich da behalten eigentlich weil die natürlich geblickt haben, dass ist natürlich nicht normal mit Sechzehn und...
00:10:30: Das heißt sie sind wirklich früh in Kontakt mit Alkohol gekommen?
00:10:34: Haben die Vor- und Nachteile eigentlich dann sehr schnell kennengelernt?
00:10:38: Ja
00:10:39: genau!
00:10:40: Genau.
00:10:40: Und das war so das krasseste erste Erlebnis, wo alle dann auch wussten Ups...
00:10:47: Das heißt es ganze Umfeld?
00:10:48: Wo wusst ihr da schon Bescheid?
00:10:49: und bei ihnen?
00:10:50: Sie haben ja schon mit vierzehn dann eigentlich aufgeschrieben reflektiert gesagt ich glaube ich habe da ein Problem.
00:10:56: aber was war denn als die anderen auch gemerkt haben was eigentlich los ist als ihre Eltern das mitbekommen haben?
00:11:02: Naja, ich glaube das ist ganz häufig in Familien.
00:11:05: Dass man das gar nicht dann wahr haben will.
00:11:08: und ich habe ja nach außen gut funktioniert.
00:11:11: Ich war gut in der Schule, hab meinen Handball Sport gemacht, Tischtennis gespielt und dieses Erlebnis mit diesem Arzt im Hintergrund habe ich den Blick meines Vaters gesehen Und mein Vater muss sich dazu sagen Der schon lange tot jetzt dem Alkohol ganz gut zugesprochen.
00:11:34: Mehr möchte ich dazu jetzt auch nicht sagen und ich habe nur mich verpflichtet, gefühlt meinen Eltern nicht mehr Kummer zu machen.
00:11:43: So ein wichtiger Part auch gewesen.
00:11:48: Ich möchte niemanden... Dass die sich Sorgen um mich machen das wollte ich einfach nicht Und ich hab dann geglaubt Das hat aber nur eine Woche gehalten.
00:11:57: so ich reiß mich zusammen und ich schaffte dass ich war da aber schon abhängig auch körperlich denke Ich habe mich natürlich auch geschämt, das ist ja auch echt Scham besetzt.
00:12:08: Aber ich konnte nicht aufhören.
00:12:10: Ich bin auch nametas schon angetrunken in Unterricht wenn ich Unterricht hatte.
00:12:16: also dass diese Kontrollverluste waren häufiger und trotzdem habe der andere Teil in mir sehr stark überzeugen.
00:12:27: Das ist für Alkoholiker oder Süchtige eine ganze Zeit lang dieses Lügen-Spiel, dieses Schauspieler, sage ich mal.
00:12:41: Andere beruhigen weil das ist ja schon wenn andere sich dann verspricht oh Gott!
00:12:44: Ich muss handeln.
00:12:46: Das ist immer so ne Gratwanderung.
00:12:49: Das hat einfach noch ein paar Jahre gedauert bis ich aufhören konnte.
00:12:54: Gab es dann einen Moment, der dazu geführt hat, dass sie gesagt haben jetzt hör ich auf oder jetzt suche ich mir wirklich Hilfe?
00:13:01: Ja das war ein paar Jahre später.
00:13:03: Also nach diesem Erlebnis haben meine Eltern mich schon zu einem Psychologen geschleppt bzw mein Bruder.
00:13:13: aber dann habe ich auch so alles wieder gut und so Sodass ich auch Abitur gemacht habe, sogar noch einigermaßen gutes Abiturt und aber meine ganzen Hintergrundprobleme.
00:13:27: Die Problematik die dahinter standen zwar nämlich im Grunde genommen auch eine Depressionserkrankung das ist aber erst Jahr zwei tausendsechzehn wirklich diagnostiziert worden.
00:13:37: Das hab' ich alles weggemacht aus Scham und aus Schuldgefühlen Und aufhören konnte ich dann mit dem Trinkeln.
00:13:46: Das lief immer beides.
00:13:49: Ich fühl mich nicht in der Welt und wenn ich trinke, erleichtert mich das.
00:13:54: Irgendwann ist der Punkt wo der Alkohol aber nicht mehr erleichterte.
00:13:58: Da war ich neunzehn Jahre alt.
00:14:02: Das war eine Zeit nach dem Abitur neunzentzwanzig, wo ich erst gejobbt hab auch da so richtig viel ... war schon richtig heftig alkoholkrank dafür gesorgt habe, dass es gehört ja zum Alkoholismus dazu, das ich immer genügend Stoff hatte und also so dieses ganze Lügensystem aufgebaut hab.
00:14:26: Das war schon gruselig!
00:14:28: Und der Zusammenbruch kam dann... Der erste Zusammenbruchs hatte ja zwei Kapitulationen vom Alkol.
00:14:37: Da war ich Ende zwanzig da war in Osnabrück meinem ersten Studium und musste zu dem Zeitpunkt aber schon morgens mit, das war damals noch ganz genau so.
00:14:53: glühwein habe ich da getrunken weil ich dachte es fällt nicht so auf.
00:14:56: Also ein Alkoholiker der voll drauf ist, der ist sehr damit beschäftigt sein Stoff zu kriegen und gleichzeitig nicht aufzufallen.
00:15:08: Da hab' ich in der WG gewohnt und die Mitkomilitonen haben wohl gemerkt dass was nicht mit mir stimmt.
00:15:14: Und dann bin ich zuerst zu so einem Treff für Menschen mit psychischen Erkrankungen gekommen und hab dann aber weiter getrunken.
00:15:25: Und bin dann das erste Mal, damals ... Das kann ich Ihnen genau sagen!
00:15:30: Das war dieses Cernobyl-Jahr, neunzehnhundart sechsten achtzig.
00:15:37: Da habe ich gar nicht mitgekriegt, Cernobil.
00:15:38: Das habe ich erst später, weil in dem Jahr das erste mal trocken wurde zur Suchtberatungsstelle in also professioneller Hilfe dann bekommen und das war für mich einfach goldrichtig.
00:15:51: Das war der erste Weg, wo ich trocken wurde.
00:15:55: Und die Sucht-Beratungsstellen?
00:15:57: Was hat sie Ihnen empfohlen damals?
00:15:59: Ja, das werde ich auch echt überhaupt nicht vergessen!
00:16:04: Das war von einer Diakonie in Osnabrück.
00:16:07: Also ich kann mich auch an den Therapeuten noch erinnern.
00:16:09: Das war ja mein Erster, das war ein bisschen auf wie eine Fahrtagsfigur glaube ich.
00:16:13: Ich weiß sogar den Namen noch.
00:16:16: Weiß nicht ob der nur überhaupt lebt.
00:16:19: Damals war das so in neunzehntundhundertsechzechzig und das war irgendwie klasse.
00:16:24: da musste ich so einen Test machen.
00:16:26: So eine Frage...das war damals so, ne?
00:16:30: So Ankreuz-Tests und so Fragen und da war ich sowas von hundertprozentig Alkoholikerin.
00:16:37: Ich war ja immer auf der Suche, was ist los mit mir?
00:16:40: Und ich war halt immer irgendwie schwermütig und hab getrunken.
00:16:44: Und irgendwie ... Ich habe versucht es selbst zu ... Ich war auch verzweifelt!
00:16:48: Und dieser Test mit dem Yes, ich bin Alkoholikerin.
00:16:52: Ich war so happy... Also sorry das fällt vielleicht ein bisschen crazy an.
00:16:56: Aber ich hatte das Gefühl, ich komme in eine Lösung auf die Schuhe.
00:17:02: Also happy eigentlich, dass es einen Namen gibt.
00:17:05: Genau das ist im Grunde noch... Ja genau!
00:17:10: Ich habe das jetzt gerade noch vor Augen.
00:17:13: Da war ich das erste Mal so richtig erleichtert und ich weiß noch damals gab's keine Handys oder so noch nicht so.
00:17:19: Nee, da glaube ich gar nicht.
00:17:21: Ich bin zu einer Telefonzelle in Osnabrück um meine Mutter anzurufen.
00:17:25: Das weiß ich noch Und hab gesagt, ich wollte das teilen.
00:17:30: Diese Erfahrung teilen und die waren ein bisschen beknickt.
00:17:35: Weil das Alkohol ja auch zu Hause war mit dem Vater.
00:17:40: Egal.
00:17:41: Jedenfalls bin ich da mein Weg gegangen.
00:17:43: Damals habe ich eine stationäre Langzeiterapie.
00:17:46: Das war damals noch sechs Monate gemacht... ...und das war hart, das war damals ganz anders als es glaube ich heute ist!
00:17:58: Das war so eine Therapielinie.
00:18:02: Ich musste meine Eltern praktisch verurteilen, das war so ein ganz hammerharte Richtung irgendwie und es ist mir echt alles sehr schwer gefallen.
00:18:10: aber ich bin den Weg gegangen und bin dann auch tatsächlich neunzehn Jahre trocken gewesen.
00:18:20: Oh, wow.
00:18:20: Das heißt ... Sie haben einen Entzug gemacht und dann eine Langzeittherapie eingeschlossen?
00:18:25: Genau!
00:18:25: Das war dann ein halbes Jahr und danach...
00:18:27: Ja genau.
00:18:28: Das war damals im Westerwald in einer Frauenklinik und ich war ja ne junge Frau.
00:18:33: Es war ja irgendwie.
00:18:35: zu dem Zeitpunkt hatte ich parallel ... Nee da war ich ja im Lehramtsstudium.
00:18:42: Und das war irgendwie klar dass sich irgendwas anderes machen.
00:18:47: werde, so und auch Osnabrück verlassen werde.
00:18:50: Und dann haben die damals in der... das war damals auch schon so, gab es auch sowas wie Sozialberatung und da sollte ich dann so meine Interessen äußern.
00:19:01: und mein Interesse damals war schon auch dass ich einen sozialen Beruf ergreifen möchte.
00:19:08: aber da hatte ich auch schon immer diese Selbstzweifel, die ich heute ja auch noch habe manchmal Du kannst ja nicht so was machen, wenn du selbst einen Armabel hast.
00:19:19: Das ist diese Strenge mit mir selber.
00:19:22: Damals war ich mir über die eigene Strenke nicht bewusst und die haben mich aber daran bestärkt dass sich dann doch ein Sozialpädagogikstudium beginnen soll oder das was durchaus sinnvoll ist.
00:19:34: Ja und ich bin diesen Weg auch gegangen und so dann auch nach Oldenburg gekommen also erst ins Ammerland.
00:19:41: und wie das dann so ist
00:19:44: Wie das dann so
00:19:45: ist, mit dem Leben.
00:19:48: Und es heißt trotz der Abhängigkeitserkrankung haben sie im Grunde Abitur gemacht.
00:19:52: Sie haben studiert und ihr Leben auf die Kette gekriegt.
00:19:56: Ja
00:19:56: richtig!
00:19:58: Im Umfeld hat man kaum was gemerkt bis auf die Kommilitonen, die gemerkt haben Adel Glühwein am Vormittag.
00:20:06: Ja genau.
00:20:08: Also das war im Rundum denke ich habe es auch meine Eltern gemerkt und auch mein Bruder.
00:20:15: Aber was sollten die machen?
00:20:20: Das ist eine komplexe Geschichte.
00:20:21: Es gab Zeiten, wo ich auch gar keinen Kontakt zu meinem Elternhaus damals, meine Eltern sind jetzt schon lange tot aber hatte weil ich so in diesem Modus war nie.
00:20:32: das kann nicht sein dass ein Kind in so einem Milieu anfängt zu trinken.
00:20:36: Und da ist aber, ja mein Gott.
00:20:38: Ich bin ein Sechzig ganz viel passiert und ich bin wirklich sehr, sehr damper.
00:20:43: Weil hier einfach auch ganz, ganz viel Unterstützung bekommen habe in der Begleitung.
00:20:51: Also ich bin mit meinen Eltern im Frieden.
00:20:55: Wobei man vielleicht denkt wie kann das sein?
00:20:56: Das sind Kinder im Elternhaus dringend.
00:21:00: Aber das sehe ich nicht so.
00:21:03: Da ist ganz viel passiert in meinem Leben, um da ja so eine Gnade einfach auch zu kommen.
00:21:10: Ja
00:21:10: und ein Verzeihen auch.
00:21:13: Wie sehen Sie es denn jetzt?
00:21:16: Also wie ich das jetzt sehe... Ich bin gerade gedanklich!
00:21:19: Ich weiß nicht ob das jetzt hier reinpasst.
00:21:21: Ähm.. Ich sag' dass's einfach, was könntest du hier dann
00:21:24: entscheiden?!
00:21:27: Ich bin ja dann mit vierzig Jahren rückfällig geworden, tatsächlich.
00:21:31: Nachdem das Leben so gewesen ist, Scheidung also verheiratet und ein paar Dinge die anders laufen sollten in meinem Leben nicht passiert sind Und wie auch immer es kam zu einer Scheidungen und ich dachte, ich lebe nochmal so richtig Die Sau lasst sie raus und war mir ging's gut und ich war im Alter von vierzig auf einer Party Topf mit Bohle und ich habe die letzten fünf Jahre dieser Trockenheit, muss ich dazu sagen.
00:22:04: Das ist ein ganz wichtiger Punkt.
00:22:05: vielleicht können wir da auch noch zu kommen keine Selbsthilfegruppen mehr besucht.
00:22:09: Und ja, ich weiß ja, weiß ja wie es geht.
00:22:13: Du
00:22:13: dachten das brauchen sie nicht mehr jetzt?
00:22:15: Ich
00:22:15: dachte ich brauche es nicht mehr.
00:22:17: und auf dieser Fete hab' ich dann die Leute die Freunde die da waren die wussten Ina trink nichts, aber es war auch kein Thema.
00:22:27: Weil es ging mir ganz gut!
00:22:29: Ich hab dann heimlich da getrunken und habe gemerkt, oh das war so dieses alte Gefühl ne?
00:22:36: So ist erleichtert was oder macht einen irgendwie wohlig und enthämt.
00:22:41: Also
00:22:41: das was Sie eigentlich schon sehr früh gelernt hatten welche Funktionen des Trinken für sie haben können.
00:22:47: Genau.
00:22:48: Und dass fatale ist... Das wusste ich aber da ja noch nicht.
00:22:52: Ich hab wirklich geglaubt, das geht ja vielleicht bis zu gar keine Alkoholikerinnen.
00:22:58: Obwohl ich das noch zehn Jahre gelebt habe ... Vielleicht hast du ja nur mit Depressionen zu tun und
00:23:05: dann kannst du ja trinken!
00:23:07: Und dann habe ich tatsächlich gut fünf Jahre, also fast sechs Jahre, nochmal getrunken, hab ein Doppelleben geführt, hab parallel, also taste über meinen Job als Sozialarbeiterin selber Suchtkrankenhilfe auch gemacht Und abends habe ich getrunken.
00:23:24: Also krass, echt krass!
00:23:26: Ich hab aber geglaubt, trotzdem und das ist das Fatal am Alkoholismus... ...ich hab geglaubd, ich krieg' das hin!
00:23:36: Ich kann es kontrollieren, ich konnte es nicht.
00:23:38: Ich kann's nicht kontrollieren.
00:23:40: Das kann kein Alkooliker.
00:23:45: Das war schon krass.
00:23:48: Diese nassen Jahre dann
00:23:50: Was hat sie glauben lassen, dass Sie es noch unter Kontrolle haben?
00:23:53: Wenn Sie eigentlich da schon von einem Doppelleben sprechen und über so viele Jahre gingen.
00:23:57: Ja ich habe auch durchaus damals drei vier Monate pausieren können.
00:24:01: aber Alkoholismus ist aus meiner Sicht als Betroffene also sehe ich das zumindest etwas was sich nicht in der Hand habe wenn ich einmal Alkolikerin bin welches mein Leben lang bleiben.
00:24:14: das ist eine chronische Erkrankung die ich nicht regulieren kann selber.
00:24:20: Und ein Teil vom Nassentrinker, und das war ja in der Zeit eben, dass er sich sagt mal so, wie einer der dir auf der Schulter sitzt, du kannst das!
00:24:35: Das ist so einen Druckschluss.
00:24:37: Also es ist schon eine sehr trügerische Krankheit.
00:24:42: Da bin ich heute geglaubt.
00:24:46: Ja, aber es hat eben nicht funktioniert.
00:24:48: Und das ist wirklich eine Erkrankung die ich mit meinem Willen zum Stillstand bringen kann und Ich habe dann das große Glück gehabt tatsächlich Also ich hab mich wirklich zu Ende.
00:25:03: Ich war einmal auch hier stationär dann Das war so kurz vorm Ende wollte ich nicht mehr.
00:25:15: Also, ich habe da auch ziemlich missgemacht so dann unter... also es ist ein Wunder, dass das überlebt hat, ne?
00:25:21: Ich dachte dann so ja, ich will bei Zehngrad Minus auf die Weide setz mich dahin und bin eingeschlafen und solche Sachen.
00:25:28: Es ist einfach eine ganz fatale Krankheit und die mich in der Zeit zum absoluten Übermut gebracht hat.
00:25:42: Ja, ich empfinde es als Wunder, dass ich noch lebe.
00:25:45: Ich hätte auch sterben können.
00:25:46: Ich hatte auch bei zehn Grad Frost nachdem ich eigentlich schlafen bin nicht wieder aufwachen können und wär tot.
00:25:54: Und im Jahr zwei Tausend neun, das weiß ich nicht mehr ganz genau da war ich auch wieder in so einem Modus unter voll betrunken.
00:26:01: Ich habe richtig hart auch getrunken, dass sich dachte ich will nicht mehr und hab dann in so einer Redseligkeit meinem Bruder gesagt du ich bring mich jetzt um also Die Familie, die Angehörigen... Ich meine ich hatte dann nur den Bruder.
00:26:15: Die leiden ja mit!
00:26:17: Der hat mich hierher gebracht und in meinem besoffenen Kopf.
00:26:20: Ich war nur am Wein aber es war mir alles egal.
00:26:23: Und ich bin dann auf die Geschlossene damals hier gekommen und am nächsten Morgen habe ich mich so geschämt und hab mich nach drei Tagen entlassen lassen.
00:26:33: Aber ich dachte auch das halbis Jahr musste ich noch trinken und dann war vorbei.
00:26:39: Und es waren diese fünf Jahre, von denen sie gesprochen haben.
00:26:41: Ja
00:26:43: fast sechs
00:26:44: Jahre.
00:26:45: Ich muss dazu sagen ich habe immer zwei Seiten in mir.
00:26:48: so einen Teil glaube ich der unglaublich starken Lebenshöhlen hatte hat auch nach wie vor.
00:26:55: und einer der so destruktiv ist und der dann getrunken hat und ich war am Ende.
00:27:09: Erkrankung, wo ich sogar auf der Arbeit in der Mittagspause mir schon Alkohol besorgt hab und mit Alkohl auch.
00:27:17: Ich habe einen Fahre, wie ich immer gehabt, betrunken gefahren bin.
00:27:21: Also völlig crazy!
00:27:23: Es ist so ein Glück, dass da keiner zu schranken bekommen ist auch.
00:27:28: Und trotzdem hatten Sie noch das Gefühl, ich habe das unter Kontrolle?
00:27:31: Ich krieg das hin.
00:27:32: Nee,
00:27:32: das hatte ich dann nicht mehr.
00:27:33: Das hatte ich die letzten zwei Monate nicht mehr... Ich habe alles versucht Ich hatte ja auch noch mal Therapie gemacht und ich wusste ja vom Kopf, wer eigentlich alles ist.
00:27:44: Ich mach das ein Stück weit selber in meinem Job.
00:27:47: Das heißt die ganze Theorie kannten Sie?
00:27:49: Ja!
00:27:50: Und ich war schon an dreizehn Jahre trocken.
00:27:53: Also eigentlich sollte man meinen... Ne ging nicht, konnte mich aufhören.
00:27:58: Ich war an so einem Ende und auch in so einem Loch dass ich in der ersten Januarwoche Ich habe auch nicht geglaubt oder irgendwie so engen Glauben gehabt.
00:28:11: An nichts mehr, ne?
00:28:12: Ich hab vieles ausprobiert vor Buddhismus und alles Mögliche.
00:28:16: Ich hab an nichts mehr geglaubd!
00:28:17: Ich stand wirklich mit dem Rücken an der Wand Und ich wusste Wenn ich jetzt nicht irgendwo in die Gruppen gehe Dann ja dann dann entweder sterbe ich Oder ich werd irgendwie wahnsinnig weil die beiden Variationen gibt es.
00:28:36: Das ist das Ende eines Alkoholikers, der direkte Tod oder der Wahnsinn.
00:28:42: Das heißt also ihr
00:28:45: Tiefpunkt?
00:28:45: Genau!
00:28:46: Das war quasi die zweite Kapitulation in meinem Leben und ich würde heute sagen wirklich die Richtige vom Alkohl.
00:28:52: Also so verzweifelt war ich irgendwie noch nicht.
00:28:56: Ich habe auch nichts mehr geglaubt.
00:28:58: Auch nicht an meinen Wissen oder dass ich irgendwas hinkriege mit dem Aufhören.
00:29:04: Ja und so bin ich dann, habe ich mich selber einfach trockengelegt auch ganz schön verrückt.
00:29:11: Habe ich aber gemacht Und bin dann
00:29:14: heißt kalter
00:29:15: Entzug Genau also ohne hier Klinik und bin dann in die Selbsthilfegruppe Die an dem zweiten Tag meiner Trockenheit war Wo ich wusste da ist eine Selbsthilfegruppe.
00:29:29: Ich hatte das ein paar Jahre vor schon mal ausprobiert.
00:29:32: Aber da gedacht ich, was die erzählen, das kenne ich ja alles.
00:29:35: Das ist ganz häufig bei Alkohol und so.
00:29:39: Und nun ist auch mal gut mit Gruppe und Herakie.
00:29:44: Über diesen Punkt war ich halt hinweg.
00:29:47: Diese Gruppe gab es dann nicht mehr.
00:29:51: Das war der neunte Januar-Zwahltausendelf.
00:29:55: Gegenüber von diesen Räumlichkeiten war der Kiosk, wo ich mir am Wochenende immer etwas besorgt habe... Okay, dann soll das wohl nicht sein.
00:30:03: Da bin ich wieder in diese Resignation, in diese Verneinung gekommen.
00:30:09: Ja und dann sollte das aber wohl doch so sein weil ich hab da fast schon auf dem Weg zum Kiosk einen ganz kleinen Settel im Fenster von diesem Haus gefunden dass die Räumlichkeiten umgezogen sind Und ich kann hier nichts sagen.
00:30:22: und das ist auch ein Bestandteil der mich auch mit trocken hat.
00:30:26: es sind wirklich verschiedene Säulen.
00:30:29: Also ich alleine kann es nicht Und ich glaub schon, ich hab schon auch einen Glauben.
00:30:34: Also kein kirchlichen Glaubem aber ich glaube schon dass da irgendwie im Universum Kräfte sind die auf die ich vertrauen kann.
00:30:43: und ich habe dann gesehen diese Räumlichkeiten bin dahin gekommen und das war mein erstes Gruppentreffen wieder und ich kann es dir nicht erklären das war so das Gefühl so ja ich bin angekommen
00:30:57: Der schicksalhafte Zettel, der sie da...
00:30:59: Wenn Sie es so nennen wollen?
00:31:00: Ja.
00:31:02: Vom Kiosk weggebracht hat und sehr mehr auch gesagt vor diesem bohle Moment, wo sie dann den ersten Rückfall hatten, da waren sie nicht mehr zu den Gruppen gegangen.
00:31:12: Nein,
00:31:13: fünf Jahre lang nicht.
00:31:14: Auch keine therapeutischen Geschichten.
00:31:17: Schon immer irgendwie so wie wahrscheinlich viele Suchende, sag ich mal in dem Grundum ist das ja immer eine Suche nach einer Erfüllung, nach einer Geborgenheit oder ein Kick.
00:31:26: Ich hab so Glaubensgeschichten damals ausprobiert, buddhistische Tendenzen.
00:31:32: Alles mögliche, also spirituelle Sachen.
00:31:34: aber das war immer im Außen gesucht und das ist es nicht gewesen.
00:31:41: Nö!
00:31:42: Und so bin ich dann tatsächlich seit dem Trocken...
00:31:45: Also ihr weht vor allem auch die Gruppe?
00:31:48: Ja
00:31:49: zu dem
00:31:49: Zeitpunkt schon.
00:31:51: Ich habe parallel trotzdem derzeit noch eine ambulante Therapie gemacht.
00:31:57: Ja, und das... also ich war total dankbar.
00:32:03: dann einfach auch für mich in der Gruppe so dieses was einfach für mich unverzichtbar ist es dieses wirklich Erfahrungen austauschen gemeinsame Erfahrungen austauschen.
00:32:14: Ich muss gar nichts sagen.
00:32:16: jemand erzählt und ich denke oh das kennst du!
00:32:20: Es ist so dieses Gefühl von Vertrautheit und wir sind schon echt ein toller Haufen Teilen das alles zusammen und machen auch Privatsachen so.
00:32:31: Und wenn ich weiß, es ist ein Problem da dann weiß ich auch, ich habe sowas in den Mentoren.
00:32:37: auch die kann nicht anquatschen.
00:32:42: Das ist schon Sicherheitsnetz.
00:32:44: also es ist das ist ein Sicherheits netz.
00:32:48: was für mich auch wichtig ist.
00:32:51: meine Trockenheit geschieht ja nicht von alleine, durch das ich in die Gruppen gehe.
00:32:59: Sondern auch ... Das habe ich kapiert, indem ich was weitergeben kann.
00:33:08: Also so... Ich kann es nicht nur für mich behalten.
00:33:11: Es ist auch etwas, was ich tun kann.
00:33:14: Ja?
00:33:16: Es ist kein Stillstand!
00:33:18: Ich glaube schon eine lebenslange Aufgabe auch, das zu
00:33:21: teilen.".
00:33:22: Und welche Strategien helfen Ihnen da jetzt, abstinent zu bleiben?
00:33:28: Die Gruppen natürlich und für mich ganz wichtig.
00:33:32: Das kann ich so vielleicht am Rande jetzt auch zwar nicht hier heute Thema aber ich glaube das kann man noch nicht so ganz abschneiden.
00:33:40: also bei mir ist es so.
00:33:42: Ich habe vorhin in der Kindheit von dieser Lehre und von diesem schwarzen Gefühl Heute nenn ich den Schwarzen Hund weil ich besser weiß hier durch die Klinik.
00:33:51: Ich habe dann irgendwann, im Jahr two-tausendsechzehn war das... Also es heißt ja nicht wenn man trocken ist.
00:34:00: Es ist einmal alles rosig, ne?
00:34:02: So!
00:34:04: War eine schlimme Zeit für mich.
00:34:05: Es war irgendwie Überlastung hoch zehn.
00:34:10: Trockenheit war kein Thema.
00:34:11: also ich Weiß nicht, irgendwie war diese Kapitulation so tiefgreifend.
00:34:15: Dass ich sage dem Gott sei Dank, ich klopfe mal auf Holz, nicht wieder den Wunsch hatte zu trinken und sogar seit jetzt fast wir ja nicht mehr rauche.
00:34:24: aber es kam Depressionen dazu oder die dann erkannt wurden hier in dieser Klinik Und das ist glaube ich bei vielen suchtkrankten Menschen Bei mir ist das schon auch heftig gewesen.
00:34:38: Das waren harte Jahre hier, auch zu akzeptieren, hier zu sein und ich habe mich da auch noch mal gewährt und geweigert musste auch davor nochmal kapitulieren und bin dann irgendwann – und das ist für mich mit das größte Geschenk auch meines Genesungsleges weil ich da einfach Hilfe hab hier an die SIA gekommen
00:35:03: Also
00:35:04: an die Institutsambulanz?
00:35:05: Gerne, also für mich ist das auch eine Säule.
00:35:11: Ich habe zum Glück keinen Suchtruck aber ich weiß wenn ich meine die Depressionsgeschichten oder Schwierigkeiten in meinem Leben sind nicht immer wieder auch anschaue und ehrlich den Begegnet und da brauche ich Unterstützung bei dann kann es sein dass sich vielleicht irgendwann wieder anfangen zu trinken, einfach um mich zu betäuben.
00:35:34: Und das haben Sie ja im Grunde schon relativ früh gemerkt wie sie gesagt haben eigentlich schon als junges Mädchen also begonnen haben dass es irgendwie eine Art der Antwort ist auf diese Schwermütigkeit?
00:35:46: Richtig!
00:35:47: So ist das bei mir tatsächlich gewesen.
00:35:49: bloß ich konnte damit nichts anfangen.
00:35:52: Sie müssen sich vorstellen Ich habe so ein Bild, da bin ich vielleicht acht, neun.
00:35:57: Da stehe ich bei meinen Eltern im Garten.
00:36:00: Es ist Hochsommer und es ist wunderschön draußen.
00:36:03: Und ich hab ein kaltes Gefühl in mir und versteh' es nicht!
00:36:06: Weil das erst mal als Kind kann ich's nicht verstehen... ...und zu der Zeit damals konnte man da auch nichts mit anfangen.
00:36:15: Es hieß dann irgendwann, das war so... Mein Vater ist zwei, sechszehn dann noch gestorben.
00:36:22: Aber die haben das ja alles noch mitgekriegt.
00:36:25: Ähm ... Ja ich kann jetzt hier nicht plattdeutsch reden.
00:36:28: Die haben immer Plattdeutrill.
00:36:29: Die ist so ähm...
00:36:31: Ach sie können es ruhig mal versuchen.
00:36:33: Ja der hat so eine Art wie mein Äh, wie den Opa, wie deen Opa.
00:36:39: also da wurde ich immer mit verglichen, mit dem Ur-Opa.
00:36:42: Also das hat's wohl in der Familie auch in früheren Generationen schon gegeben.
00:36:47: aber das ist ja ein Thema.
00:36:50: Was glaube ich tatsächlich, wenn ich das ... Ich bin da leise.
00:36:52: Ich bin jetzt hier nicht ... Ja gut, ein bisschen was.
00:36:55: Also sie schon aber... Das ist ja früher kein Thema gewesen.
00:37:00: Genau, genau!
00:37:01: Aber dass es eben familiäre Häufungen gibt, das ist tatsächlich aufzubeobachten hier.
00:37:09: Ja und trotzdem, dass es lange eben auch nicht auffällt.
00:37:13: also das denke ich auch für mich ist einfach wichtig also diese verschiedenen Säulen zu haben und Ehrlichkeit ist glaube ich für meine Trockenheit auch ganz, ganz wichtig.
00:37:30: Und ja was ich in diesen Gruppen eben gelernt habe die Bereitschaft auch etwas zu tun.
00:37:37: Also es ist nicht irgendwann mit dem Klinikaufenthalt zur Ende für mich irgendwas nicht gewesen.
00:37:45: Ich muss schon dran bleiben.
00:37:46: Dann möchte ich auch, weil es sich echt
00:37:48: lohnt."
00:37:50: Und wie reagieren Sie jetzt auf die Schwermütigkeit?
00:37:54: Was machen Sie wenn der schwarze Hund vorbeikommt und sie kein Alkohol zu handhaben um den zu
00:37:59: vertreiben?".
00:38:00: Ja also zum Glück... Ich habe z.B.
00:38:03: jetzt im Moment, das kann man ja ruhig sagen so gerade nicht so eine ganz leichte Zeit war ein paar zukunftsweisende Dinge anstehen in meinem Leben Ganz schnell ins Katastrophisieren-Kurm oder so in Schwarz sehen.
00:38:18: Und ja, da kann ich immer wieder nur sagen hier dass sich hier einfach... Ich habe hier so viel mitgenommen gelernt Werkzeuge bekommen hier in der Ambulanz.
00:38:29: Ich sage jetzt wirklich bei Frau Herzog, Frau Wendels, Frau Splitt das ist alles so... Ja das ist irgendwie wie Heimat ne?
00:38:36: Das kann ich wirklich so sagen!
00:38:38: Das meine ich auch ganz ehrlich, oder vor die stationären Aufenthaltete hier.
00:38:42: Zwei zwanzig war das letzte Mal hier Tagesklinik.
00:38:45: Das ist für mich wirklich einfach nur Danke-Danke.
00:38:52: Also es hört sich jetzt vielleicht ein bisschen doof an aber... ...das ist ein wesentlicher Baustand neben den Gruppenfreunden und meinen anderen Sachen, die ich so mache.
00:39:03: Da fällt mir auf dass sie Ganz viel mit Menschen zu tun hat.
00:39:06: Also, dass es vor allem Menschen sind die sie irgendwie stabilisieren... ...die Säulen auf diese Abstinenz dann gebaut ist?
00:39:12: Ja das stimmt schon.
00:39:15: Das ist schon richtig!
00:39:17: Ich brauche wirklich auch... also ich denke auch, dass sich auch gäbe, also ich nehme nicht nur was auch eine Säule ist für mich ne ganz wichtige Säuble ist zum Beispiel auch Natur so was und mein Garten Also nicht nur Mensch, sondern auch einfach in der Erde buddeln.
00:39:38: Und ab und zu Eisbaden?
00:39:39: Eisbadend im Winter, das mache ich aber am liebsten mit meiner Katja, meiner besten Freundin aus Kiel.
00:39:45: Schönen Grüße!
00:39:48: Das so ein bisschen was Verrücktes dann auch machen, dass ist... Aber was gut Verrücktes, also nichts, was meine Gesundheit gefährdet hat.
00:39:56: Und haben Sie im Rückblick das Gefühl es musste soweit kommen?
00:40:02: Ja ja Ich hadere manchmal so ein bisschen mit... Manchmal war ich schon ganz schön hart gewesen, so einiges.
00:40:13: So auch so ein paar andere Sachen, wenn man mich nicht gerne anders gehabt hätte.
00:40:17: Aber auch das was jetzt gerade so mich beschäftigt und mir ein bisschen Angst macht oder manchmal ein bisschen mehr Angst macht, ich glaube schon dass das irgendwie auch so vorgesehen ist für mein Leben dass ich so diesen Weg gehen kann in Nüchternheit und Heilung.
00:40:42: Und ich die Erfahrung machen konnte, gerade im Jahr zwei Tausend Sechzehn das war wirklich für mich ein hammer hartes Jahr wo ich so decompensiert bin also weil ich trocken musste nicht rückfällig werden.
00:40:57: Wo ich dachte ich lande im Pflegeheim es wird nichts mehr mit mir und dann da heraus zu gehen Das Leben mit vollen Armen zu umarmen.
00:41:05: Also es ist so beides, ne?
00:41:07: Es glaubt das bin ich einfach ja.
00:41:10: Also diese zwei Seiten die Sie auch an sich kennen irgendwo das Destruktive und was aber auch dem Leben zugewaltig ist und was jetzt gewonnen hat sozusagen.
00:41:19: Wobei das Destraktive würde ich gar nicht mehr so destruktiv... ...das Schwere.
00:41:23: So wie wenn man sowas kaputt machen muss.
00:41:26: Es gibt eine schwere Seite in mir, die ich immer wieder in den Arm nehme muss und sagen hey, es ist okay den Hund an die Leine zu nehmen.
00:41:34: Das ist so dieses Ding genau.
00:41:36: wo sie das mit dem Hund...das ist mein Lieblingsbuch ne?
00:41:40: Der schwarze Hund.
00:41:41: also wer das kennt so das ist einfach der Job und das habe ich ganz oft dass sich dann ok wo bist du denn jetzt gerade?
00:41:49: und ja genau der ist im Moment ein bisschen weiter weg und ich hab die Regie aber gibt ihm auch Zeit wo's ein bisschen anders ist.
00:42:00: Und das heißt in diesem Prozess haben sie eigentlich ganz, ganz viel Selbsterkenntnis gewonnen.
00:42:06: Also was die schweren Seiten von sich sind, die leichten Seiten und wie Sie auch ohne die Selbstmedikation Alkohol vielleicht mit dieser Schwere umgehen können?
00:42:15: Ja absolut!
00:42:16: Das ist wirklich ein absoluter Gewinn.
00:42:20: Also das ist so eine Bereicherung.
00:42:22: Und als ich damals wieder trocken wurde, zweitausend, hab' ich gedacht, oh ja jetzt bist du bestimmt ganz schnell wieder irgendwie, war grad nach Trennung und so.
00:42:33: Ich dachte auch immer, ich kann gar nicht alleine leben oder so.
00:42:36: Das ist aber völliger Quatsch.
00:42:37: Aber ich bin absolut zufrieden meistens so.
00:42:43: Kann gut mit mir sein!
00:42:48: Da so viel Positives, was sich da entwickelt hat.
00:42:50: Aber es ist eben nicht einfach nur so gekommen.
00:42:53: Es gehört schon etwas dazu.
00:42:55: Also auch ein bisschen was zu tun.
00:42:57: Ja.
00:43:00: Fehlt Ihnen der Alkohol manchmal?
00:43:03: Nee, nee!
00:43:04: Im Gegenteil.
00:43:05: Nein, nein überhaupt nicht.
00:43:11: Ich überlege gerade so... ich muss mal fragen ob ich mich noch nie so richtig nachgedacht habe.
00:43:16: bringen mit Alkohol wirklich in Verbindung, ja mich wegmachen ins Koma fallen und also destruktiv verwenden.
00:43:33: Es gibt... das habe ich auch zum Glück... Das hab' ich mir da Zigarette mal gehabt vor zwei Jahren wo ich dachte oh jetzt möchte ich wohl eine rauchen so!
00:43:43: Das ist für mich ein viel größerer Trigger als der Alkohl.
00:43:50: Ich denke gerade so an Situationen, wo die meisten Menschen glaube ich Silvester oder sonst was und nie.
00:43:57: Also ich vermisse das nicht wirklich nicht.
00:44:01: Wobei ich achte auch drauf... Oder was heißt ich achten?
00:44:06: Er hat sich einfach so ergeben dass ich dann mit Menschen zusammen bin, die auch nicht trinken.
00:44:11: also ich bin gerne mit Menschen Zumindest nicht sich, also mit Menschen die sich betrinken muss sie nicht zusammen sein.
00:44:20: Also da bin ich ganz straight das brauche ich nicht und das tut mir nicht gut.
00:44:24: Das ekelt mich aber dann eher an Ja
00:44:28: Was würden Sie denn?
00:44:30: Menschen, die sich bedrinken und dass zwar regelmäßig Und merken oh je irgendwie langsam läuft es aus dem Ruder.
00:44:38: was würden sie denen hatten so mit dem Rückblick auf ihr Leben und ihre Erfahrungen?
00:44:46: Das erste ist, glaube ich wirklich die Ehrlichkeit.
00:44:51: Die Offenheit und Aufhören mit dem Lügenspiel.
00:44:55: also wenn ich merke dass jemand da vielleicht irgendwo nach Hilfe schreit dann habe ich gerne auch ein offenes Ohr wobei ich kann keine Ratschläge geben.
00:45:10: Ich kann nur erzählen was ich gemacht habe Und wenn aber jemand wirklich aufhören möchte, glaube ich ganz bergutsamen Wege aufzeigen die es gibt.
00:45:23: Das ist schon mal ein, das kann eine Gruppe sein.
00:45:26: Ich finde hier auch die Einrichtung immer wichtig Suchtberatung.
00:45:31: Aber das geht nur, wenn jemand auch wirklich signalisiert, ich möchte eigentlich auffahren.
00:45:37: Ja!
00:45:39: Immer wieder haben Sie die Scham erwähnt als Gefühle?
00:45:43: Das ist ja doch etwas, was vielleicht verhindert.
00:45:45: Dass man sich zeigt, dass man ehrlich ist und Hilfe sucht.
00:45:50: Was haben Sie denn gegen die Schärme getan?
00:45:53: Ich kann da nur ehrlich darüber reden dann.
00:45:59: Mich zeigen wie ich bin.
00:46:00: Und ich weiß aber auch, das ist eine Gratwanderung.
00:46:06: Ich muss nicht alles von mir zeigen so.
00:46:09: Ich bin da ganz offen und es ist auch wichtig zu sagen, das geht gegenüber jetzt nichts an.
00:46:16: Und dazu spüren, wo ist die Grenze?
00:46:18: Das finde ich manchmal ein bisschen schwierig.
00:46:21: Ja!
00:46:23: Was jetzt die psychische Erkrankungsseite angeht... Das muss ich in der Öffentlichkeit nicht eben erzählen.
00:46:34: Dass ich Alkoholikerin bin, erzähle ich auch nicht jedem aber das gehört für mich zum Leben einfach.
00:46:40: Aber dass ich eine Depressionserkrankung hab, das ist finde ich schon schwieriger.
00:46:47: Schön, dass Sie uns davon erzählt haben in dieser Ehrlichkeit und Offenheit.
00:46:52: Ich habe noch eine letzte Frage an Sie.
00:46:54: Und zwar was wären sie denn gerne noch gefragt worden von mir?
00:46:59: Okay.
00:47:01: Viele glauben, wenn man kein Alkohol oder keine Suchtmittel mehr zu sich nimmt... Oh Gott!
00:47:08: Dann ist das Leben ja langweilig oder irgendwie Öde oder so.
00:47:12: Und das hätte ich vielleicht noch als Frage so erwartet.
00:47:18: Das kann ich sagen, ist absolut nicht der Fall!
00:47:24: Natürlich feiere ich gerne mit Menschen die auch nicht trinken und wir haben mortsmäßigen Spaß.
00:47:32: Ich bin einfach nur froh dass ich nicht mehr trinken muss und mich betäuben muss und nächsten Morgen zum Beispiel neuer um neun Uhr morgens... an die See fahren kann, weil ich ihm einfach einen klaren Kopf war.
00:47:47: Und ja... Also es ist das ist so.
00:47:51: das was sich vielleicht noch gedacht hätte, dass das wichtig ist also, dass man als trockener Alkoholiker...
00:47:59: Hat man auch Spaß?
00:48:00: Hat man schon Spaß am Leben!
00:48:02: Oder teilweise viel intensiver einfach.
00:48:05: Ja
00:48:07: genau
00:48:08: Vielen Dank für dieses sehr intensive Gespräch auch.
00:48:14: Und danke, dass Sie Ihre Geschichte und uns geteilt haben!
00:48:16: Es wird sicherlich einige Zuhörerinnen und Zuhörer geben, die das sehr berührt und denen das auch hilft... Ich bedanke mich!
00:48:24: Ja ganz gerne!
00:48:26: Ich habe jetzt irgendwie gar nicht mehr gemerkt, dass wir hier schon einfach so wie ich bin.
00:48:30: Schön!
00:48:31: Einfach das Mikro vergessen oder was?
00:48:32: Genau!
00:48:33: Super!
00:48:34: Danke schön!
00:48:36: Tschüss!
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