#50 RECOVERY STAR – Experten-Talk
Shownotes
Moin aus der KJK! Wie lassen sich persönliche Fortschritte in der psychiatrischen Behandlung sichtbar machen?
In der neuen Expertentalk-Folge spricht Deborah mit Steffi über den Recovery Star — ein Instrument, das Patient und Behandler dabei unterstützt, Entwicklungen, Ziele und Unterstützungsbedarfe gemeinsam in den Blick zu nehmen.
• Wie funktioniert der Recovery Star?
• Und wie hilft er dabei, Entwicklungen sichtbar zu machen?
• Warum kann er Gespräche im therapeutischen Alltag erleichtern?
Eine Folge über ein Werkzeug, das Struktur geben, Perspektiven eröffnen und Zusammenarbeit stärken kann.
Vielleicht haben wir Euch ja auf den Geschmack gebracht — und ihr gestaltet gleich euren eigenen Recovery Star?
Transkript anzeigen
00:00:08: Hallo und herzlich willkommen zum Podcast der Kaliaspas-Klinik vor den Tor in Oldenburg.
00:00:13: Die Wahrheit irgendwo hier drin!
00:00:24: Mein Name ist Deborah, ich spreche heute mit Steffi über das Thema Recovery Star.
00:00:30: Also ganz viel Englisch wäre es nicht abwarten kann was jetzt dahinter steckt.
00:00:34: kann sich ja schon mal sein Englische Wörterbuch zur Hilfe führen.
00:00:39: Ja aber doch.
00:00:40: bevor wir damit starten hat Steffy drei Geschichten mitgebracht Zwei davon entsprechend der Wahrheit und eine davon ist geflunkert.
00:00:49: Und ich versuche zu erraten, meine Fähigkeiten der Gedankenleserei ... Nein!
00:00:57: Also ich versuch zu erraden welche davon geflunken hat es.
00:01:00: Steffi leg doch mal los.
00:01:02: Hallo erstmal
00:01:03: Ja hallo.
00:01:05: Also Geschichte Nummer eins Ich verbringe meine Zeit am liebsten in der Fahrradwerkstatt.
00:01:12: Geschichte Nummer zwei Fotografie ist mehr als ein Hobby für mich.
00:01:17: Geschichte Nummer drei, Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema für mich.
00:01:20: so möchte ich versuchen mein Fußabdruck zu verkleinern.
00:01:25: Okay Fahrradwerkstatt fotografieren und Nachhaltigkeit.
00:01:30: also fotografieren glaube ich das ist eine wahre Geschichte.
00:01:34: das habe ich schon mal gehört dass du das ganz ganz toll kannst.
00:01:39: jetzt Fahrradwerkstatt Nachhaltigkeit.
00:01:42: Ich glaube, du würdest dich hier in dem Podcast nicht outen dass du zum Beispiel nicht nachhaltig lebst und sagst auch mir ist das eigentlich alles total egal.
00:01:50: also Mülltrennung kenne ich gar nicht.
00:01:53: Wasser lasse sich eigentlich auch noch ein bisschen länger an als ich eigentlich bräuchte.
00:01:57: Also deswegen lehne ich mich mal aus den Fenster und sage so die Fahrrad Werkstatt ist glaube ich nicht unbedingt dein Lieblingsort
00:02:04: hast du sehr gut gemacht.
00:02:05: ja ich habe mein Fahrrad Ich bring es in die Inspektion ganz brav, aber ich krieg sonst auch nicht hin einen schleifendes Teil auszutauschen und hoffe einfach ist nutzt sich ab so dass das dann wieder leise ist.
00:02:18: Na ja man muss ja auch nicht alles können und ich glaube es ist auch wichtig sonst wird's ja gar keine Fahrradwerkstätte geben.
00:02:25: also ich finde das ist ja auch eigentlich ein Grund genug sich damit selber nicht auseinanderzusetzen.
00:02:30: aber ich bin auch ehrlich.
00:02:31: also ich bin jetzt bei technischen Sachen nicht unbedingt motiviert.
00:02:37: Ich glaube, wir beide, wenn wir es machen müssten, würden das schon hinkriegen.
00:02:40: Aber diese Frage ist, wollen wir das eigentlich?
00:02:44: Ja gut dann habe ich erst mal schon Mal wieder ein Pluspunkt bzw eine wahre oder eine geflunkerte Geschichte identifiziert.
00:02:54: also mein ja meine Tendenz steigt!
00:02:57: Ich bin zufrieden.
00:02:58: Freu mich wirklich ehrlich.
00:02:59: darum soll's aber hier eigentlich gar nicht gehen.
00:03:02: Es geht heute um dein Projekt den Recovery Star.
00:03:06: Was es damit auf sich hat, erzählst du mir gleich.
00:03:09: Ich würde für unsere Zuhörerinnen und Zuhöre einmal das oder den Begriff Recovery einmal klären.
00:03:17: Also der englische Begriff recovery bedeutet so viel wie Genesung oder Erholung?
00:03:23: Und ist es ein Konzept was eigentlich als Prozess verstanden werden kann?
00:03:30: Es geht nicht nur um Genesungen und Erholungsbegriff im Übertrag oder in der Übersetzung bedeutet, sondern es zielt eher darauf ab, dass Betroffene trotz und
00:03:44: mit
00:03:44: einer weiter bestehenden psychischen Erkrankung oder psychischen Problem ein für sie zufriedenes und aktives Leben führen kann.
00:03:53: Also ist das eine sehr gesundheitsorientierte Prozesshafte Einstellung.
00:04:03: Es geht eher um eine Haltung von Betroffenen und Behandelnden,
00:04:10: das kann man so sagen
00:04:11: ja okay gut also recovery haben wir erst mal einmal eingeordnet.
00:04:17: und Ja was hat es denn mit deinem recovery star Aufsicht?
00:04:23: Wie hast du dich eigentlich mit diesem thema beschäftigt?
00:04:26: wie kamst du dazu?
00:04:27: ich habe ... von zwei Tausend Zwanzig bis Zweiundzwanzig die Fachweiterbildung zur ... ... psychiatrischen Pflegekraft gemacht.
00:04:34: Und habe im Rahmen dessen auch eine Abschlussarbeit geschrieben und mich da mit dem Recovery Star auseinandergesetzt, der wurde uns damals vorgestellt... ... und ich fand das Thema sehr spannend und wusste dass das hier in der Klinik so noch nicht gelebt wird und dachte guck mal was du damit werden kannst?
00:04:49: Okay also das heißt da hast Du jetzt ja auch schon ein bisschen von Dir preisgegeben, also Du bist Fachkraft für Psychiatrische Pflege Und da, das ist quasi wie eine Zusatzweiterbildung für Pflegefachkräfte.
00:05:04: Genau, eine Spezialisierung genauso wie es die für Anästhesie- und Intensivmedizin gibt.
00:05:08: Gibt's das auch für psychiatrische Pflege?
00:05:10: Okay!
00:05:11: Ja was ist denn also jetzt der Recovery Star?
00:05:15: Also der Star ist ein Gesprächs- und Reflexionsinstrument mit dem ich versucht habe eben betroffene Patientinnen auf der Station, auf der ich damals gearbeitet habe zur Unterstützung in ihre aktuelle Situation einzuschätzen.
00:05:30: Dann vielleicht auch zu formulieren, welche Ziele sie entwickeln möchten und dann gemeinsam mit ihnen Schritte zu planen wie Sie diese dann auch erreichen können.
00:05:39: so grob erstmal.
00:05:42: Und Star also Stern warum heißt er so?
00:05:46: Weil das Instrument aussieht wie ein Stern zehn Zacken die für zehn Lebensbereiche stehen die ja dafür zuständig sind, dass man sich als Mensch fühlt.
00:06:00: Und ja in diesen Bereichen gibt es eben unterschiedliche Stufen kann man sagen, in denen man sich befinden kann und die meisten Betroffenen von psychischen Erkrankungen oder Krisensituationen sind nicht ausgeglichen in den Lebensbereichen und sollen dann darüber definieren lernen wo sie überhaupt stehen und wo sie hin möchten.
00:06:26: Der Stern könnte also auch so eine Art Kompass sein.
00:06:29: Also erst mal sich zu orientieren, wo stehe ich eigentlich?
00:06:33: Sich selber zu beurteilen im Sinne von einzuordnen, also so ne Selbstbeobachtung und Einordnung.
00:06:40: okay Wo befinde ich mich jetzt auf diesem Instrument Und kann das quasi dann erstmal abbilden?
00:06:46: Ja genau man kann den Star auch als eine Art Landkarte des persönlichen Genesungsweges Bezeichnen.
00:06:53: Okay Und jetzt hast du das schon irgendwie kurz noch mal angesprochen, aber könntest du nochmal konkreter sagen was eigentlich so das Ziel jetzt ist von dem Recovery Star.
00:07:04: Also die Einschätzung erstmal wo stehe ich?
00:07:07: und die Orientierung im Genesungsprozess?
00:07:11: Ist eine Art Landkarte für den eigenen Weg.
00:07:16: Was will man denn damit dann so erreichen?
00:07:17: Jetzt habe ich mich einmal eingeordnet und dann...
00:07:20: Genau, es geht im Endeffekt darum dass wir Betroffene nicht bewerten sondern ihnen dabei helfen Entwicklung Selbstbestimmung und Hoffnung eben auch zu fördern.
00:07:32: Recovery versteht ja Hoffnungen eben auch als Schlüssel Und so ist das eben elementar wenn wir mit dem Star arbeiten richtig?
00:07:39: Also es ist so eine Art Prozess so wie du Recovery selbst gerade schon beschrieben hast.
00:07:44: Und somit ist das auch ein Prozessinstrument, dass man eben verwenden kann um dann Stück für Stück zu erarbeiten wo man denn eigentlich hin möchte.
00:07:53: Okay also wo stehe ich und wo möchte ich hin?
00:07:56: So
00:07:56: ja!
00:07:58: Jetzt hast Du schon die Zehenzacken des Sterns angesprochen, die die zehn elementaren Lebensbereiche darstellen.
00:08:10: Was sind das denn so für Lebensbereiche?
00:08:12: Was kann ich mir darunter vorstellen.
00:08:14: Also, ich kann sie gerne mal benennen, wenn du möchtest.
00:08:17: Das wären dann zum Beispiel der Umgang mit psychischer Gesundheit, körperliche Gesundheit und Selbstfürsorge.
00:08:25: Dann die Lebenskompetenzen Arbeit Ausbildung oder Beschäftigung.
00:08:30: Dann geht es noch um soziale Netzwerke.
00:08:33: Um Beziehungen.
00:08:34: Um suchtgefährdendes Verhalten.
00:08:37: Um Identität und Selbstwertgefühl um Vertrauen und Hoffnung, aber auch eben um Verantwortung.
00:08:43: Das sind also die zehn Lebensbereiche, die die Sachen dann darstellen?
00:08:48: Und geht man denn davon aus dass wenn man jetzt die zehn lebensbereiche erst mal überhaupt hat, heißt es kann ja sein also das man vielleicht in einem Lebensbereich überhaupt gar nicht aufgestellt ist.
00:09:00: Also wenn's zum Beispiel um hoffnungen geht, dass man sagt ab momentan eigentlich gar keine hoffnung.
00:09:06: Aber geht man dann davon aus diese Lebensbereiche alle in Kombination zu einem, dann zu einem Wohlbefinden führen?
00:09:15: oder was ist so die Idee dahinter?
00:09:17: Also
00:09:17: sie bedingen sich auf jeden Fall alle und wenn man in einem Lebensbereich vielleicht sich eher niedrig einstuft und sich gar nicht wohl oder gut mit fühlt.
00:09:29: Dann wirkt sich das in der Regel auch auf alle anderen Bereiche aus und kann diese schmälern aber im Gegenzug erweitern oder sich besser fühlen lassen, also es bedingt sich.
00:09:39: Und wenn wir bei dem Punkt Hoffnung sind und jemand sich als hoffnungslos einstuft dann befinden wir uns immer noch im Stern.
00:09:48: diese Zacke ist da nicht non existent sondern sie befindet sich innerhalb der Also das Lebensbereich ist bzw.
00:09:56: der Sternzacke in einem niedrigen Stufen-Bereich, beziehungsweise ein Stufe Null.
00:10:01: Wir sprechen davon zehn Stufen innerhalb jedes Lebensbereiches und zwischen null und zehn bewegen wir uns Menschen.
00:10:09: also man muss nicht psychisch erkrankt sein um sich da einsortieren zu können sondern wir sind entweder.
00:10:16: also wir befinden uns entweder bei Hoffnungslosigkeit oder auf einem Aufsteigenden oder Absteigende nach dem Ast, um hoffnungsvoll in unserer Gegenwart oder auch Zukunft zu blicken.
00:10:30: Also es ist ein Kontinuum und auch da ein Prozess.
00:10:33: also das soll quasi nochmal diesen Prozess abbilden und ich kann irgendwo befinde ich mich da auf jeden Fall entweder auf der ersten oder niedrigsten Stufe wo's so ein bisschen darum geht Gar keine Hoffnung.
00:10:48: Ich hab vielleicht auch keine Motivation, überhaupt irgendwas zu verändern.
00:10:54: Seh ich gar keinen Sinn da drin?
00:10:55: Vielleicht erkennt man nicht an, dass man etwas gar nicht hat.
00:10:59: Weil überhaupt keine Einsicht dazu da ist ...
00:11:02: Ich bin vielleicht nicht psychisch krank oder habe keine Abhängigkeitserkrankungen.
00:11:07: Genau, ich hab keine Probleme in diesem oder jedem Bereich.
00:11:10: Okay!
00:11:12: Und ... Dann die Spitze des Sterns, also der Spitzezacken.
00:11:17: Je höher es weiter nach außen geht, wäre dann die Stufen ja höher.
00:11:21: Was wäre auf der höchsten Stufe?
00:11:23: Also der Stufe Zehn.
00:11:25: Da wäre eine ... Wie sage ich das je nachdem in welchem Bereich man ist, eine völlige Eigenverantwortung gegeben.
00:11:33: Selbstwirksamkeit ist spürbar vorhanden und der betroffene Mensch ist als stabil einzu.
00:11:40: sortieren.
00:11:41: Weil auch keine Hilfe mehr von äußeren Faktoren notwendig ist, sondern weil es aus sich selbst heraus funktioniert und keinen Anstoß mehr von außen braucht.
00:11:51: Und würde es denn darum gehen zum Beispiel wenn wir mal das Thema psychische Gesundheit nehmen mit dem wir ja hier auch täglich konfrontiert sind uns damit auseinandersetzen?
00:12:02: Würde das dann bedeuten jetzt wenn wir jetzt mal diesen Lebensbereich psychische gesundheit nehmen kann man denn
00:12:09: nur
00:12:10: ganz, sag ich mal in höheren Stufen sich befinden wenn die Symptome gar nicht mehr da sind.
00:12:16: oder geht es auch dann darum zu sagen naja ich habe jetzt zum Beispiel eine Erkrankung aber hab da einen total guten Umgang mitgefunden so dass ich wenn z.B.
00:12:25: Krisen auftreten oder zb bei Depressionen die ja Phasenweise auftreten weiß ich jetzt genau, was ich machen kann oder bei Panikstörung.
00:12:35: Ich weiß, wie ich dann die Situation bewältigen kann bzw.
00:12:41: einordnen kann, sodass es mir gar nicht mehr so viel Angst
00:12:43: macht.".
00:12:45: Ist das da auch mit gemeint?
00:12:47: Ja
00:12:47: also das ist sozusagen der Schulterschluss mit dem Begriff Recovery.
00:12:51: dieses... Ich erfülle ein selbstbestimmtes qualitativ wertiges Leben auch bei bestehender Erkrankung.
00:12:59: Ja, also eben weil ich weiß wie ich mein Handwerkszeug nutze um mich selbst zu unterstützen oder eben auch meine Menschen auf Suche oder meine Institution die mich durch eine etwaige Krise bringen
00:13:11: kann.
00:13:11: Okay also wir können also... Also auch Menschen mit einer chronischen Erkrankung können sich in also erstmal mehrere Lebensbereiche die können wir quasi identifizieren und dann aber auch einen sehr sehr hohen Stufen anordnen
00:13:28: Auf jeden Fall.
00:13:29: Okay, also man schließt sich nicht aus und du hast ja auch gesagt dass Menschen mit und ohne einer psychischen Erkrankung oder körperlichen Erkranken genauso mit dem Recovery Star arbeiten?
00:13:42: Genau!
00:13:43: Man kann es auf jeden Fall machen.
00:13:44: ich darf regelmäßig in den Unterricht ans Amalender Ausbildungszentrum gehen um auch den Recovery Star den Fachweiterbildungsteil nehmen näher zu bringen und lasse sie in der Regel dann Lebensbereiche mal selbst ausfüllen, wenn sie möchten.
00:14:01: Das muss man natürlich nicht.
00:14:03: Man kann auch gedanklich Beispiele aus Kontakten zu Klientinnen oder Patientinnen nehmen und man stellt eben fest dass ja wie sage ich das?
00:14:12: Es ist nicht zwingt erforderlich, dass jeder von uns in jedem Bereich zehn Punkte erreicht.
00:14:17: Darum geht es real nicht!
00:14:18: Wenn man das hat dann ist schön aber es ist nichts zwingterforderlich und man kann eben trotzdem durchaus sehr glücklich sein
00:14:26: ist ja auch noch mal eine wichtige Aussage, weil ansonsten entsteht ein bisschen so einen Leistungsdruck vielleicht.
00:14:34: Also nur dann ist es richtig sondern auch da zielt eigentlich diese Haltung die Recovery vermittelt genau darauf ab.
00:14:43: das ist erst einmal unabhängig davon.
00:14:45: also von habe ich Symptome hab' ich keine Symptom.
00:14:48: was liegt jetzt so vor?
00:14:50: Auch da sind nicht nur Symptomen.
00:14:51: zum Beispiel du hattest nochmal so das Thema auch soziale Unterstützung, glaube ich.
00:14:56: War das auch ein Lebensbereich oder habe ich das gerade?
00:15:00: Soziale Netzwerke gibt es zum Beispiel ja
00:15:02: genau.
00:15:03: also zum Beispiel soziale Netzwerk.
00:15:04: Das ist ja nicht etwas was wir immer beeinflussen können.
00:15:08: Auch da sage ich mal wie ist der Familienrahmen Wie ist mein Freundeskreis?
00:15:12: auch?
00:15:12: da gibt es ja auch manchmal auch einschneidende Erlebnisse oder Trennungen.
00:15:19: und das heißt also nicht nur, weil ich jetzt diesen Bereich der wegfällt.
00:15:24: Dass es automatisch bedeutet, mein Leben ist nicht mehr lebenswert oder ich kann jetzt nicht mehr glücklich
00:15:29: sein.".
00:15:30: Genau man kann in den Gesprächen zum Recovery-Star halt einfach rausholen was bedeutet dann überhaupt ein soziales Netzwerk neben Familie und Freundeskreis?
00:15:40: die Erfüllung über Vereinsleben sein, über Ehrenämter, die man vielleicht wahrnimmt.
00:15:47: Das ist viel breiter gefächert als einem manchmal bewusstes, wenn man sich eben in so einer Krise befindet, in der das Blickfeld ein bisschen verengt ist.
00:15:57: Also bietet es uns die Möglichkeit auch aufzuzeigen hey schauen Sie mal da und da geht noch was!
00:16:02: Und da geht auch mehr als jetzt gerade vielleicht denkbar scheint und dann kann man das so ein bisschen dahin lenken.
00:16:09: geht natürlich nicht, dass wir die Übernahme machen.
00:16:12: Aber man kann zumindest mal so
00:16:13: ein
00:16:15: Hinweisgebendes Element darstellen.
00:16:18: Ja, so ganz hilfreche Impulse auch.
00:16:20: Wenn einiges von so einem Tunnelblick der Radius zu erweitert wird und dann zum Beispiel sowas wie achte ich wusste gar nicht dass das auch eine Möglichkeit ist oder dass sich... Dass das auch dazugehört.
00:16:31: und ja wenn es denn so ist dann doch da kenne ich jemanden oder ich habe doch mein Schützenverein oder ahja okay.
00:16:39: also auch das ist ja erstmal sicherlich total spannend erst mal einen Überblick zu schaffen und dann vielleicht auch da sich erstmal auch objektiv einzuschätzen und nicht aus seiner subjektiven Empfindung.
00:16:51: Genau, dieses Gefühl ich bin alleine,
00:16:52: ich
00:16:53: hab niemanden das kennen viele zumindest phasenweise mal man muss gar nicht chronisch erkrankt sein sondern wirklich einfach in eine Krise geraten und es kann jedem von uns passieren und dann ja wieder aufzurufen was gibt es da wirklich?
00:17:07: also dass so wie du sagst so so objektiv wie möglich zu betrachten hilft auf jeden fall auch wieder Ressourcen aufzudenken denn darum geht's ja im Endeffekt.
00:17:16: Und wie hast du dann dein Konzept, also der Recovery Star im stationären Behandlungsrahmen implementiert?
00:17:28: Also ich habe das als meine Abschlussarbeit damals im Suchtbereich implementiert.
00:17:32: Ich hab auf einer offenen Suchtstation für Menschen mit Doppeldiagnosen gearbeitet.
00:17:38: Also Doppeldiagnose
00:17:40: bedeutet eine Abhängigkeitskomponente plus eine andere.
00:17:46: ja, psychische Erkrankungen sowas wie die Depressionen.
00:17:48: Posttraumatische Belastungsstörung oder...
00:17:50: Okay!
00:17:51: Genau und da habe ich dann mithilfe meines Teams damals geschafft mit Patientinnen in Kontakt zu kommen.
00:18:00: Ich hab ihnen dieses Instrument vorgestellt.
00:18:03: Hab ihn eine Anleitung damals noch ins Deutsche übersetzt.
00:18:06: Es war zwanzig bis zu einundzwanzig gar nicht so einfach wie es heute wahrscheinlich wäre.
00:18:11: Da war Kaino nicht ganz so weit aber Ja, dann habe ich Ihnen sozusagen eine Anleitung fertig gemacht, die Sie sich in Ruhe durchlesen konnten.
00:18:20: Ich hab mir für meine Abschlussarbeit damals zwei Patientinnen, die ich als motiviert und veränderungswünschend wahrgenommen habe ausgesucht, wo ich aber wusste auch, sie brauchen sehr viel Zeit um Vertrauen zu
00:18:36: fassen."
00:18:37: sodass sie am meisten in meinen Augen damals davon profitieren konnten, wenn man sich ihnen ein bisschen annimmt und schaut hey wo sind denn eigentlich ihre Ressourcen?
00:18:46: Also auch eher Menschen die weniger hohes Selbstwertgefühl zumindest gezeigt
00:18:53: haben.
00:18:54: Also das heißt du hast erstmal Informationen mitgegeben über das Konzept oder das Thema Recovery, Recovery Star und dann hast du dich mit den Gemeinsamen zusammengesetzt das Instrument quasi ausgefüllt oder eingeordnet?
00:19:13: Oder wie kann ich mir das so vorstellen,
00:19:15: beides sozusagen.
00:19:17: Die Patienten haben von mir die Möglichkeit bekommen eine Selbsteinschätzung vorzunehmen und diese auch so stichpunktartig festzuhalten.
00:19:25: Und auf Basis dessen haben wir dann ein Gespräch geführt wo wir eben Also wo ich mir ihre Selbsteinschätzung angehört habe und auch bei Bedarf meiner Fremdeinschätzungen mit hinzugemischt habe, je nachdem wie gut ich sie dann auch schon kannte.
00:19:40: Und darüber haben wir dann wochenweise gearbeitet und immer wieder die Lebensbereiche durchgesprochen und je nach dem, wo grad Ihre Priorität lag, auch angesetzt ... Okay, wo haben Sie da Unterstützungsbedarf?
00:19:53: Wo denken Sie könnten wir Kolleginnen von der Pflege oder vielleicht das Sozialdienst oder ansetzen um Sie bestmöglich daran zu unterstützen, ihr nächstes Ziel – das ja auch dann formuliert wurde – zu erreichen.
00:20:08: Oder wo möchten Sie auf keinen Fall wieder hinkommen?
00:20:10: Es ist nicht nur dass man danach strebt nach oben in die Spitzen zu kommen sondern dass man sich vielleicht einfach mal in einer Phase, in einer Stufe stabilisieren möchte.
00:20:20: Auch das kann ein Ziel sein, dass man sagen möchte okay ich weiß, ich brauche die Unterstützung!
00:20:25: Ich nehme das an und komme hier erst mal zur Ruhe.
00:20:29: Auch das ist es wert, ja respektiert zu sein und darüber dann auch wieder in so eine Art Erholungsphase zu holen.
00:20:37: Das ist eigentlich ganz gut, ja?
00:20:39: Und da auch selbstbestimmt den eigenen Behandlungsverlauf mitzugesteigen also auch zu entscheiden – dass ich gerade mich auf dieser Ebene befinde und das heißt nicht für immer und ewig Starr so bleiben darf, sondern es ist ein ganz dynamischer Prozess.
00:20:57: Wo es darum geht sich einfach immer wieder bewusst zu entscheiden wo möchte ich eigentlich hin?
00:21:03: Ist das gerade okay wo ich da stehe?
00:21:06: wie kann ich mich aber schützen in Stufen quasi zurückzu rutschen die mir nicht gut getan haben?
00:21:13: zum Beispiel richtig ok Und gibt es da irgendwie besondere Voraussetzungen für also Beanwendern beziehungsweise bei den Betroffenen?
00:21:22: Du hast ja eben schon so ein bisschen gesagt, naja du hast dir schon auch dann die Betroffenenden ausgewählt.
00:21:29: Im Sinne von Motivation war so ein Aspekt worauf sollte man da achten und was sollte man vor allen Dingen als Anwender, wie du jetzt zum Beispiel die Betroffene anleitet vielleicht auch bedenken.
00:21:46: Ja, also wie wir gerade schon sagen bei den Betroffenen wäre es gut wenn eine Bereitschaft zum Gespräch überhaupt da ist.
00:21:53: Auch ein Mindestmaß ansprachlicher Verständigung möglich ist.
00:21:58: Vielleicht auch schon muss nicht zwingend gegeben sein aber das Interesse die eigene Situation zu betrachten.
00:22:07: und ja ich würde sagen dass reicht eigentlich schon für den Anfang so viel muss es gar nicht sein weil vieles kommt dann manchmal extrinsisch, wenn ich als Gesprächspartnerin dann mich kooperativ wertschätzend und auch ressourcenorientiert zeige.
00:22:24: Also alles eben was durch Recovery geprägt ist und ich auch mit einer gewissen Ruhe und Geduld ran gehe.
00:22:30: Die Gespräche variieren von der Zeit meistens braucht man zu Beginn ein bisschen länger.
00:22:35: Ich habe am Anfang aus der Verrückendeckung vom Team damals bekommen hatte dann auch locker vierzig, fünfvierzig Minuten Zeit um ein Erstgespräch zu führen.
00:22:46: Und das ist im Verlauf der Wochen einfach weniger geworden weil die Patientinnen dazu befähigt wurden sich selbstständig einzuschätzen und zu schauen.
00:22:55: was brauche ich gerade?
00:22:57: Ich nur noch als Abgleich dann funkiert habe.
00:23:00: Das ist so dieses Wachstum was daraus auch resultiert.
00:23:04: aber wichtig war eben dass ich zu Beginn Die Ruhe hatte und auch die Geduld, um da ein konstruktives Gespräch erst mal entstehen zu lassen.
00:23:14: Und die Vertrauensbasis eben auch zu stärken.
00:23:16: Ja so das Fundament zur Gestaltung.
00:23:22: Du hast ja jetzt schon auch die eigene Haltung so bisschen angesprochen.
00:23:25: also Ruhe aber auch irgendwie konstruktiv.
00:23:28: gibt es dir auch Impulse.
00:23:30: was ist da dir wichtig mit welcher Haltung du an Die Arbeit mit den Recovery-Stars ist da herantrittst.
00:23:40: Also ich würde immer
00:23:44: grob pro
00:23:44: Mensch sagen, dass man erst mal davon ausgeht, dass jemand veränderungsmotiviert ist und wenn er das oder sie das gerade nicht zeigen kann, dass das Gründe dafür hat.
00:23:54: also jedes Verhalten basiert auf... einem Grund.
00:23:58: Und das ist erstmal zu respektieren und die Historie der betroffenen Menschen muss respektiert akzeptiert werden, aber eben auch der Fakt dass jemand da ist um etwas zu tun für sich.
00:24:09: also es muss ja nicht unbedingt sein dass man selber schuld ist daran was eine eilt hat.
00:24:14: Man muss es aber trotzdem selber bearbeiten.
00:24:16: Das tut kein anderer für einen.
00:24:19: Also das ist so das womit ich in Gesprächskontakte in der Regel gehe, damit ich so wertschätzend und offen wie möglich reagieren kann.
00:24:33: Du hast ja es eben schön gesagt oder immer wiederholt dass das sich um ein Instrument handelt.
00:24:38: und wie viele also zum Beispiel diagnostische Instrumente, Behandlungsinstrumente... Also da geht's jetzt nicht um schere Messer sowas gibt es in der Chirurgie.
00:24:48: Bei uns sind das ja nochmal andere Werkzeuge, die wir hier in der psychiatrischen Behandlung nutzen.
00:24:54: Dass sie auch nicht zu jedem Behandlungszeitpunkt immer passend sind, sondern dass wir da ganz individuell schauen, wann ist eigentlich dieses Instrument überhaupt sinnvoll?
00:25:05: Und da braucht es sicherlich eine gute Einschätzung von dir.
00:25:11: jetzt in dem Fall, okay, wann passt das jetzt so?
00:25:15: Okay!
00:25:18: Erst mal vielen Dank für den Überblick.
00:25:21: Und ich hab jetzt auch ehrlich gesagt, schon ein bisschen Lust mit diesen Sternen noch einmal oder mich da mal einzuordnen.
00:25:27: Ich glaub das ist irgendwie eine ganz spannende Auseinandersetzung mit der eigenen Person und wo stehe ich eigentlich gerade?
00:25:33: Also auch da nochmal finde ich so diesen Appell.
00:25:36: Das hat jetzt erst mal ... ist glaube ich für jeden erst mal sinnvoll.
00:25:41: Ich denke auch schadet in der Regel nicht.
00:25:43: Nee also das höre ich gar nicht raus und es ist eher total wertschätzend.
00:25:47: Was würdest du denn vielleicht abschließen, noch so unseren Hörerinnen und Hörern fällst du auf den Weg geben?
00:25:55: Also wenn du sozusagen die Sprecherin des Recovery Stars bist oder auch diese Haltung gibt es etwas was dir da jetzt spontan einfällt, was du äußern würdest.
00:26:11: Ja ist eine gute Frage!
00:26:12: Da gibt's viel was mir gerade in den Kopf schießt.
00:26:15: ich glaube... Somit das Elementaste ist, dass man die Hoffnung nicht verliert und nichts so bleibt wie es in dem schlimmsten Moment ist, den man da empfindet.
00:26:28: Aber grundsätzlich ist es so, dass die Dinge dynamisch sind und sich verändern.
00:26:33: Man selbst auch die Möglichkeit hat etwas zu unternehmen, auch wenn das aussichtslos erscheint.
00:26:39: Ich habe einfach immer den Wunsch für die Patientin, die ich begleiten durfte bisher, Da so viel mehr ist noch,
00:26:48: das ist was ich sagen würde.
00:26:51: Ja und hält es vielleicht auch stellvertretend für die Betroffenen die Hoffnung aufrecht?
00:26:57: Wenn sie's in dem Moment vielleicht gerade nicht können.
00:27:00: Steffi vielen Dank für das schöne Gespräch, für dein tolles Konzept und gerne wieder!
00:27:08: Vielen Dank.
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